Hallo liebe Leute...da wir die letzten Tage keine Möglichkeit hatten ins Internet zu kommen, haben wir unsere Eindrücke gesammelt. Ist wahrscheinlich sehr viel zu lesen, aber vielleicht haltet ihr ja bis zum Ende durch. Zur Zeit haben wir, pünktlich zu meinem Geburtstag, eine wunderschöne Unterkunft mitten in den wilden Bergen Balis gefunden. Sicherheitshalber sind wir heute den ganzen Tag in unserem Tropenparadies geblieben, damit wir gar nicht erst in die Versuchung kommen, in irgendwelche Gefahrenzonen zu tappen :)
11. April
ES IST HEISS...!!!
Oh, what a perfect day. Wir haben überlebt. Gestern war ein sehr anstrengender Tag. Körperlich wurden wir nicht so arg gefordert, aber geistig steppte der Bär.
Aber erstmal zurück zur Ankunft. Nachdem wir am 8.April mit "etwas" Verspätung endlich in Denpasar Bali angekommen waren, das Hotel gefunden hatten und um 4 Uhr nachts endlich im Bett lagen - nein, saßen trifft es eher - konnten wir am darauffolgenden Tag ein wenig durch die brütend heißen Gassen von Schatten zu Schatten hüpfen und uns dem Strand widmen. Auf dem Weg dorthin trug es sich anstrengender als auf einem türkischen Basar zu. Laberrhabarber....! Cheapcheapcheap...! Brillen, Mofas, Hosen, Regenschirme (es ist immer noch Regenzeit hier) zu cheapcheapcheap-Preisen. Der Strand ist total verdreckt und die Sonnenliegen stehen zwischen Fussballtoren und Plastikmüllhaufen. Diese Stadt ist unglaublich dreckig, laut und voll. Vor 30 Jahren muss es ein Paradies gewesen sein. Leider künden davon nur noch kleine versteckte Restaurants und andere Oasen abseits des Trubels. Wir haben einen kleinen Warung gefunden, in dem wir abends köstliche 5 Gerichte für 4 Euro geschlemmt haben. Ein Warung ist ein kleines Lokal, in dem allerlei einheimische Spezialitäten serviert werden. Der Tag war also gerettet. Wenn da nicht diese kleinen possierlichen Tierchen gewesen wären, die sich blutsaugende Minisaurierer, oder auch Mücken, nennen. Die Nacht wurde daher nicht durchgeschlafen, sondern vielmehr durchgekratzt. Egal, gestern morgen schien wieder die Sonne. wir haben uns Mofas organisiert und sind mit Brett und Rucksack nach Balangan, einem sehr schönen und recht ruhigen Strand gefahren. Wir hatten jeder unsere eigene kleine Maschine und einen Helm. Mit Plastiktüten ausgestopft eine super stylische und vor allem fast perfekt sitzende Geschichte. Helme werden hier nur von einigen Menschen getragen. Verantwortungsbewusste junge Frauen, ältere Herrschaften, ein kleines Kind und noch ein paar andere. Ist aber wichtig, weil sonst die Polisi aufmerksam wird und einen erstmal aus dem Verkehr zieht. So ähnlich ist es uns auch ergangen. Wir hatten zwar einen Helm, aber leider sind die Verkehrsregeln, Schilder und Gewohnheiten so anders, dass man in den ersten Tagen der Fahrpraxis wie ein Fahrschülererstling wirken muss. Der Aufkleber „Fahrschule“ wird nur ersetzt durch einen großen, blauen, blinkenden Pfeil, der permanent über den Köpfen schwebt. Also hat die Polizei leichtes Spiel und schnappt sich im richtigen Moment alles, was auch nur im Ansatz einen kleinen Fehler gemacht hat. Wenn nicht, auch egal, irgendeinen Fauxpas finden die schon. Unser Fehler war zum Beispiel, dass wir an einer roten Ampel angehalten haben. Eigentlich ja richtig, aber an dieser roten Ampel durften man nicht halten???!!!?!“>>!! Hä? Naja, war eben so. Wäre bestimmt gar nicht wirklich aufgefallen, aber leider haben wir genau 10 m vor einer Polizeiwache gehalten. Gefundenes Fressen für die Aasgeier. Kaum standen wir, stürzten sich die ersten beiden Uniformierten auf uns und blablablabla. Am Ende habe ich geheult, Roland auf stur und dumm gestellt und wir durften mit 12 Euro Bußgeld verschwinden. War ein harter Weg dorthin, aber wir haben es geschafft. Also zurück in den Regenguss (Regenzeit hält immer noch an) und zum nächsten KfC. Zittrig und durchgewaschen den leckersten Cappuccino des Universums bestellt und im Dauerregen weiter zum Strand. Der Rest des kleinen Ausflugs lief glimpflich ab und eine Stunde später waren wir endlich an einem kleinen Strandabschnitt in Balangan. Nur erreichbar über süße Nebenstraßen auf denen heilige Kühe spazierten und das Benzin in Absolut Wodka Flaschen verkauft wurde.
Roland war dann 3 Stunden im Wasser und hat sich in der Mittagssonne ein nanoklitzekleines Bisschen verbrannt. Aber bei Männern wird das ja eh nach ein paar Stunden braun. Wir werden sehen. Als er das zweite Mal aus dem Wasser kam (diesmal waren es nur 30 Minuten) fehlte eine Finne am Board und das Riff hatte seinen linken Fuß ein wenig lädiert. Schnell Limettensaft drauf und trocknen lassen.
Oh...Wayan ist da und bringt unser nächstes Gefährt. Ein großes Auto. Viel zu groß für diese Strassen, aber ^^^^
13. April, Kuta
Es ist wirklich unglaublich, was man so alles an ein paar Tagen erleben kann. Kein Vergleich zu Super Mario. Unsere Endgegner sehen aber aus wie Polizisten und die Wege, die endlich zur heiß geliebten Prinzessin führen, stehen auf unserer Abenteuerreise unter Wasser und werden von Kamikaze-Indo-Rollerfahrer beherrscht. Aber eigentlich wollte ich euch ja noch mit weiteren kleinen Infohappen der letzten Tage auf dem Laufenden halten.
14. April, Medewi
Mannometer, man kommt hier auch zu nichts. Obwohl wir jetzt gerade nichts zu tun haben außer schwitzen und abwarten. Abwarten, dass Rolands Fuß heilt und wir dann
wieder zusammen ins Wasser gehen können. Leider ist er nämlich schon gestern mit dem fast verheilten Fuss in das ziemlich verdreckte Wasser in Medewi gegangen. Etwas zu früh. Jetzt ist erstmal daddeldu und die mittlerweile braun-schwarze Wunde muss wieder trocknen und richtig verheilen. Dank unserer umfangreichen Reiseapotheke sind wir aber guter Hoffnung, dass eine rasche Heilung eintritt.
Ja...jetzt sind wir in Medewi. Weite Reise in ein beschauliches muslimisches Dörfchen an der Hauptstraße. Eigentlich sollte unser Weg schon vor 3 Tagen hier hinführen, aber durch widrige Umstände (Boardreparatur und Brett leihen in Kuta) mußten wir noch eine Nacht in der Smoghölle ranhängen. Wir beschlossen uns einen Wagen zu mieten, um die veranschlagten 2 Stunden Fahrt etwas angenehmer zu gestalten und mobil zu sein, weil wir mittlerweile 2 Bretter, 2 Trekkingrucksäcke und 2 kleine Rücksäcke im Auto haben, die auf die Dauer tragenderweise nicht sehr angenehm zu tragen wären.
Kurzer Einschub Mädels: Ich benutze seit 3 Tagen keine Maskara mehr :) Habe mir auch dummerweise blaue statt schwarze gekauft. Augen auf beim Maskarakauf! Trage auch immer noch die erste kurze Hose. Es wird mit jedem Tag ersichtlicher, dass, falls wir hier irgendwo eine Post, finden sollten, ein Päckchen mit Klamotten nach Hause geschickt wird. Wenn dann was fehlt, einfach kaufen.
So, weiter im Text. Wir bekamen also unser Auto von Wayan. Alle heißen hier Wayan oder Putu. (Danke Sabine für den Kontakt) Der Preis für ein Auto liegt normalerweise bei ca. 20 Euro pro Tag, bei Wayan bezahlen wir nun ca. 12 Euro. Die nächsten 14 Tage besitzen wir einen Toyota Avanza mit KLIMAANLAGE!!!! Die erste Frage war: Wer fährt dieses Geschoss bei Linksverkehr, Milliarden verrückter Rollerfahrer, Polizeifreaks und 2 m breiten Straßen? Meine Abenteuerlust war zwar eigentlich durch die Rollerfahrt gedeckt, aber was soll´s? Einfach machen ist das Motto hier, und bloß nicht nachdenken. Also los. Schaltung links. Enge Ausfahrt. Rauswinken lassen. Auf die Straße. Schock, weil man den Abstand nach links absolut nicht einschätzen kann. Fast zwei Roller mitgenommen (naja, einen vielleicht sogar ein wenig gestreift). Man braucht Nerven wie Stahlseile und einen sehr sehr guten und ruhigen Copiloten. Den hatten wir mit Roland glücklicherweise an Board. JEDER hupt, alle fahren einfach irgendwo hin und überall sind viel zu viele Fahrzeuge auf viel zu kleinem Raum. Ampeln, die einerseits überfahren werden müssen, Linksverkehr, der einem zwischenzeitlich den Atem nimmt, wenn man instinktiv auf die falsche Fahrbahn abbiegt. Ich weiß nicht wie häufig, aber es war sehr sehr oft, dass Roland „weiter rechts“ gesagt hat. Man hätte eigentlich ein Tonband abspielen können. Mal wieder waren vier Personen auf einem Roller keine Seltenheit. Drei Erwachsene und irgendwo in der Mitte ein Baby eingeklemmt. Meist stehend, ansonsten einfach unter den Arm geschoben. Ist wohl normal hier. Haben dann Rolands Brett nach 4 Stunden Fahrt durch den Verkehr und behobenem Plattfuß am Auto zur Reparatur abgegeben und danach ein wunderschönes Hotel gefunden. Un´s Hotel. Eine richtige kleine Oase mit Pool vor der Zimmertür, Palmemgarten und Schmetterlingen. War zwar teurer als das erste, aber dafür tausendmal schöner. Wir wären am liebsten für immer dort geblieben.
Nach einer tollen Nacht und einem leckeren Frühstück feierten wir unsere Unterkunft noch ein wenig am Pool und sind zurück in die Stadt gefahren. Sintflutartige Regengüsse haben uns ständig begleitet. Die Wege, durch die wir zu den Boardshops stapfen mussten, waren überschwemmt und keiner kam trockenen und sauberen Fußes an seinem Ziel an. Nach gefühlten weiteren 3 Stunden hatten wir alles zusammen und wollten uns endlich auf den Weg nach Balian oder Medewi im Westen der Insel machen. Ein Hotel hatten wir noch nicht. Zu dem Zeitpunkt war das aber egal, weil wir einfach nur diesen Ort verlassen wollten. Mittlerweile war es aber schon dunkel und dadurch, dass es kaum Hinweisschilder oder Straßennamen auf Bali gibt, war die Richtung gen Zielort schwer zu ermitteln. Irgendwann waren wir aber auf der richtigen Straße und frohen Mutes, weil wir schon zwei Tage ohne Polizeikontakt unterwegs waren und unserer nächsten Etappe näher kommen sollten. Freude und Musik im Auto...gute Laune und Kekse und Capri Sonne. Wir kamen zwar sehr langsam voran, aber das störte uns nicht. Mittlerweile empfand ich sogar das monotone „weiter rechts“ vom Sitz links neben mir nicht mehr störend. Nur der Regen, der von Minute zu Minute stärker wurde, nahm so langsam beunruhige Ausmaße an. Die Rollerfahrer mit wehenden Capes hatten mitunter schon recht starke Probleme durch die großen Pfützen zu fahren. Als wir die Stadt langsam hinter uns ließen und die Straßenverhältnisse noch um einiges katastrophaler wurden, hatte der Regen seinen Höhepunkt erreicht und wir steckten in einem Stau. Es ging leicht bergab und vor uns, hinter uns und neben uns erstreckte sich, soweit das Auge reicht eine wahrer Rollerflut. Zwischendrin ein paar PKW oder dicke Busse. Je weiter wir die enge Straße entlang krochen, desto mehr Wasser staute sich auch auf dieser. Teilweise kamen die Roller nicht mehr voran, weil die Hinterreifen von einer braunen Wasserflut bedeckt waren, Motoren verreckten, Schlaglöcher nicht zu erkennen waren und inmitten der „Straße“ Menschen umher wuselten. Wir waren im Auto relativ sicher, aber so langsam stieg eine leichte Panik auf, die durch die Katastrophenbilder in den letzten Monate noch geschürt wurde. Das Wasser stieg und stieg, man sah nur blinkende Lichter und sintflutartige Wassermassen, die sich die Straße entlang schoben. Besonders heikel wurde es, als uns ein fetter Bus entgegenkam und wir nicht daran vorbei fahren konnten, weil auf der linken Seite schon einige Rollerfahrer in knietiefen Löchern verschwunden waren. Mit dem Wagen wären wir steckengeblieben. Ruhe bewahren und das Hupkonzert im Nacken ignorieren. Der Bus hatte es nach ein paar Minuten geschafft und auch wir konnten weiter schwimmen. Ich hatte wirklich Schiss! Am Anfang war es abenteuerlich und spannend, dann wich dieses Gefühl aber der Verzweiflung und Furcht vor einer wirklichen Katastrophe. Ich konnte schon die vielen kleinen Roller über unsere Windschutzscheibe treiben sehen. Kopfkino...halloooo??? Dann war aber plötzlich alles geschafft. Dank der besten Rallyfahrerin der Welt und unserem kleinen Toyota ist nichts unmöglich! Wir waren noch nie so froh Asphalt zu erblicken. Noch fünf Minuten länger und Roland hätte ein plärrendes Nervenbündel am Steuer gehabt. Okay, das war geschafft. Aber bitte, bitte, bitte, fahrt nie nachts die Strecke von Kuta nach Medewi. Es ist einfach der reine Horror für europäische Verkehrsteilnehmer. Egal. Erinnerungen wurden bereits gelöscht. Haben dann nachts noch ein kleines Hotel gefunden. Mai Malu heißt es und ist ganz niedlich und für Balinesische Verhältnisse recht sauber. Unser Zimmer teilen wir uns mit Tick, Trick und Track, den drei süßen Geckos und anderen freundlichen Lebewesen. Leider gibt es kein W-Lan hier, darum werden diese Berichte auch etwas zeitversetzt ins Netz gestellt.
Gestern haben wir Roland ein Longboard geliehen, das leider schon nach 2 Stunden gebrochen ist. Blöd, weil die Schlitzohren hier dadurch sehr viel Geld bekommen haben. Aber das passiert. Man muss es einfach geschehen lassen, vielleicht ein wenig mehr nachdenken und beim nächsten Mal vorsichtiger handeln. Aber in den zwei Stunden, in denen wir mit sehr vielen anderen Menschen auf sehr kleinem Raum im Wasser waren, hat Roland schon mal gezeigt was er kann und mich mit seinen Wellenreitkünsten beeindruckt. Mich hat er gleich ungefähr einen Kilometer weit raus paddeln lassen, weil ich ja soooo gut in Form bin und zu Hause jeden Tag Paddeltraining hatte und Liegestützen an der Tagesordnung waren. Draußen im weiten Ozean sind die Wellen auch tendenziell kleiner und es ist viel einfacher als Anfänger noch weiter rauszupaddeln als die Einheimischen Surfercracks. Spätestens, als diese 3 Meter Wand vor mir auftauchte und ich den Waschgang meines Lebens bekam, hab ich gemerkt, dass ich vorne bei den Frauen und Kindern in meiner Liga besser aufgehoben war. Aber schön, wenn der eigene Freund so eine hohe Meinung von einem hat. Nur leider nicht ganz angebracht. Wir werden also in Zukunft getrennt voneinander im Wasser sein. Wir verstehen uns übrigens immer noch richtig gut. Alles passt und wir streiten nicht. So soll es bleiben.
Ach ja, heute Nacht hatte wir einen Peeping Tom an unserem Fenster. Ein Peeping Tom ist ein Spanner. Als Roland gestern Abend noch kurz vor unser Zimmer geguckt hat, fehlte plötzlich ein Stuhl. Der Stand um die Ecke unter unserem Fenster und man konnte noch nasse Fussabrücke darauf erkennen. Außerdem wehte ein Mobile vor dem Fenster so stark hin und her, dass es unmöglich am Wind liegen konnte. Toll, wir liegen transpirierend auf dem Bett, keine Kleidung, damit der Ventilator jedes Körperteil erfassen kann, und werden dabei beobachtet. Danach war an Schlaf nicht mehr zu denken und bei jedem Ton sind wir aufgeschreckt. Roland hat ein paar Fallen aufgebaut, um den Peeper zur Strecke zu bringen. Fäden wurden gespannt, Leere Flaschen aufgestellt und Türklinken präpariert. Die erhoffte Entspannung setzte aber erst heute Morgen ein. Heute Nacht wird wieder alles vorbereitet, damit der Schuldige bei einer erneuten Tat gefasst werden kann. Wir sind gespannt.
16. April, Lovina
Heute Morgen sind wir mit Sack und Pack aufgebrochen, um die Insel zu erkunden. In den letzten zwei Tagen haben wir noch ein paar sehr nette einheimische getroffen, für die nicht nur Profit und Geldschinderei im Vordergrund stehen. Putu, der einen kleinen Surfboardverleih neben unserem Hotel betreibt und seine kleine Familie damit ernährt, und Ali, der versucht sich, seine Frau und das 1,5 Monate alte Baby mit nicht sehr rentablem T-Shirt-Verkauf über Wasser zu halten. Sein Baby ist krank und müsste eigentlich zum Arzt, der aber leider sehr teuer ist. So etwas wie eine Versicherung hat hier kaum jemand. Das war der Startschuss für Schwester Stefanie. Dank des kleinen homöopathischen Vorrates an Globoli bekam der kleine erstmal eine Dosis für Kleinkinder verabreicht. Hoffen wir mal, dass es hilft. Seine Geschichte machte uns wirklich sehr nachdenklich. Vor drei Jahren verlor er seine Mutter und sein Vater wurde vor drei Monaten beerdigt. Nun hat er nur noch die Familie seiner Frau, in deren Haus er mit der kleinen Familie lebt. Kein Geld, keinen richtigen Job. Aber surfen kann er. Jeden Tag mit der Hoffnung auf big waves. Bald findet ein Wettkampf am lokalen Strand statt, bei dem er vielleicht das Preisgeld gewinnen wird. Wenn wir wieder zu Hause sind, dann schicken wir Ali Mustapha aus Medewi ein ganz großes Paket mit vielen tollen Sachen für ihn und seine Liebsten. Vielleicht habt ihr ja auch Lust etwas in den Topf zu werfen!? Stellt auch nur die großen, braunen Augen vor, die anfangen zu leuchten, wenn plötzlich eine Sonnenbrille, ein Babykleidchen oder Ohrringe aus dem Paket hervorkommen. Es gibt hier wirklich sehr viele Menschen, die eigentlich Nichts haben. Vordergründig erscheinen sie als Schlitzohren, Halsabschneider und vielleicht sogar unfreundliche Einheimische, aber in Wirklichkeit wollen viele nur das Beste für ihre Familie und deren Leben und Überleben sichern. Aber trotzdem muss man enorm aufpassen. Selbst Putu und Ali haben mehrmals betont, dass wir sehr vorsichtig sein müssen, wenn wir unterwegs sind. Nicht nur auf der Strasse, die massivst gefährlich ist.
Die Strasse...heute war sie angenehmer zu befahren. Bei Helligkeit und ohne sintflutartige Bäche war es richtig entspannt zu fahren. Die Wege Richtung Norden sind aber auch nicht so stark befahren und die Schlaglöcher und allgemeine Hindernisse halten sich in Grenzen. Mit Vollgas an den Polizeistationen vorbei und bloß nicht anhalten. Wir sind im hellen Sonnenschein gestartet und endlich Reisfelder, Bauern, Kühe und wunderschöne Tempel an den Straßenrändern bewundern können. Roller beladen mit drei Meter hohen Grasbüscheln, ganze Familien auf Lastern, die von den Feldern kamen und in regelmäßigen Abständen unzählige kleine Warungs, in denen leckeres Satay angeboten wurde. Frisch zubereitet auf Minigrills. Nach ca. einer Stunde Fahrt sind wir einfach mal links in einen unscheinbaren Weg abgebogen und kamen an den bisher schönsten Platz hier auf Bali. Ein beschauliches kleines Restaurant, in dem frischer gegrillter Fisch und Getränke angeboten wurde. Wir saßen an einem Tisch direkt am Meer und haben einen Bali Kopi (Kaffee) getrunken. Der balinesische Kaffee wird hier einfach mit Wasser aufgegossen und dann trinkt man die ziemlich dunkle und starke Flüssigkeit, bis der Kaffeesatz dunkle Zähne macht. Danach ist die Müdigkeit für ca. 5-6 Stunden wie weggeblasen. Wir haben schon viele Bali Kopi getrunken, aber keiner war so lecker wir dieser.
Der Chef hat sich, wie in vielen anderen Lokalen auch, sofort zu uns gesetzt und in brüchigem Englisch gefragt, was wir so machen und woher wir kommen. Roland kam dann der Einfall, dass es dort frischen Kokossaft geben könne. Schließlich hingen über uns tonnenweise pralle Kokosnüsse in den Palmwipfeln. Sofort sprang der Chef auf, gab zu verstehen, dass es sich darum kümmern wolle, verschwand in einem Palmenhain und ward nie wieder gesehen. Nach 20 Minuten vergebenen Wartens, begannen wir uns schon Sorgen zu machen , ob er wohl von einer dieser besagten Kokosnüsse erschlagen worden sei oder heimlich der Polisi unseren Aufenthaltsort zugesteckt habe, damit wir mal wieder aufgrund eines nicht existierenden Fehlers ein Bußgeld zahlen durften. Der Durst und die Vorfreude auf die kühlende Erfrischung in Nuss wurde unerträglich. Ein Wink mit dem Palmwedel in Richtung des Personals wurde erhört und prompt stand ein indonesischer Jüngling an unserem Tisch und wollte extra für uns auf die Palme neben uns steigen, um eine der mittlerweile fast unerreichbaren Kokosfrüchte vom Baum zu pflücken. Leider war uns das Spektakel nicht vergönnt, denn von irgendwoher tauchte plötzlich doch noch eine Palmfrucht auf. Ein paar Axthiebe später stand ein köstlicher Cocktail aus Kokossaft, Limette, garniert mit einer Orchidee vor uns auf dem Tisch und erschien uns frischer als jeder Swimmingpool.
Frisch gestärkt setzten wir unsere Reise auf der wunderschönen mit Grün gesäumten Straße gen Norden fort. Rechts bot sich ein wunderschönes Panorama aus nebelverhangenen sattgrünen Bergen und zu unserer Linken konnten wir ab und an einen Blick auf das Meer und die Ausläufer der Insel Java erhaschen. Nach weiteren zwei Stunden Fahrt durch die paradiesische Landschaft, erreichten wir das bei Tauchern beliebte Lovina. Die nicht enden wollende Regenzeit hatte uns zu mal wieder eingeholt und statt des Strandes besuchten wir in ein kleines Restaurant zum Mittagessen. Zur Abwechlung mal wieder Nasi Goreng und olé olé auch ein Mie Goreng mit gebratenen Nudeln und Fisch. Bis das Essen fertig war, vertrieben wir uns die Zeit bei Smith´s Silver, einer benachbarten Silberschmiede, und ließen uns von dem ausgestellten Schmuck verzücken. Kauften in weiser Voraussicht aber nichts. Der Regen hatte aufgehört und wir konnten Richtung Strand fahren. Kaum ausgestiegen, hatten sich innerhalb kürzester Zeit eine Traube von Schmuck-, Muschel-, Sarong- und Obstverkäufern um uns geschart. Roland verhandelte feuchtfröhlich mit dem Muschelverkäufer und erstand für kleines Geld drei wunderschöne Stücke. Ich befand mich auf der anderen Seite des Wagens und musste mich mit den restlichen zehn Verkäufern herumschlagen. Abgezockt und 15 Minuten später, hielt ich 5 sehr schöne Kettenanhänger in der Hand und um das Handgelenk baumelte eine Tüte mit verschiedenen Lychee-Früchten.
Wo war das Geld, von wem kam eigentlich welche Ware und wo war Roland? Ah, Roland stand mit einem zufriedenen Lächeln am Auto und hielt seine neuen Errungenschaften in der Hand. Nun waren wir für kurze Zeit allein, stiegen schnell in den Wagen, fuhren los und entschieden die Nacht in Lovina zu verbringen, als wir am Straßenrand ein Schild mit den Worten „Zimmer frei“ entdeckten. Wir erlebten unseren ersten Sonnenuntergang über dem Meer und können mit einer echten Klimaanlage entspannt einem neuen Tag entgegen schlafen. Morgen dann geht es in die Berge und wir freuen uns auf Wasserfälle, vulkanische Seen und idyllische Bergdörfer.
Rolands Fuß ist auf dem Weg der Besserung.
Selamat Tedur....!
17. April, Munduk
Aaaaahhhh...heute schreiben wir den Tag der Hoch- und Tiefpunkte. Eine Achterbahn der Gefühle und Straßen gleichermaßen.
Die gestrige Nacht war super. Endlich wieder ein richtiges Bad mit Dusche, Waschbecken und warmem Wasser. Herrlich! Das Frühstück war recht übersichtlich, aber während der ersten zehn Minuten sehr entspannend. Wir saßen direkt am Meer und konnten die Fischerboote beim ein- und auslaufen beobachten. Leider wurden auch wir beobachtet. Kaum war das Ei gepellt und der Kaffee zur Hälfte geleert, kamen die Händler in Scharen direkt aus dem Wasser auf unsere Hotelterrasse geklettert. Sarong, Muscheln, Uhren, Sonnenbrillen, Kokosöl und Ketten. Alles gleichzeitig. Nach viel Geschnattere und dem Austausch von Höflichkeiten auf beiden Seiten, gaben Roland und ich uns geschlagen und kauften jeweils einen Sarong. Kann zwar keiner von uns mehr im Rucksack verstauen, aber was soll´s. Nachdem mir vor lauter Mitleid und aber fast der Kragen geplatzt wäre, mussten wir alle wegschicken. Kurz noch zwei Muschelketten von einer halb blinden, ganz ganz herzallerliebsten älteren Frau abgekauft, und ab dafür. Sie wollte immer mehr verkaufen, weil 1 kg Reis 7.500 Rupien kostet und sie damit ihrer Familie etwas kochen wollte. Am Ende bekam sie das Geld so, damit wir nicht so viel Gepäck haben. Das macht einen wirklich fertig! Statt einer halben Stunde entspannt frühstücken, hat der ganze Zirkus mal wieder mindestens 1,5 Stunden gedauert. Aber nun konnte unser Abstecher in die Berge Balis beginnen.
Tourstart war also in Lovina. Ein sehr touristischer Ort und nicht unbedingt sehenswert, wenn man nicht auf Straßenhändler, Tauchen und Delphine gucken bei Sonnenaufgang steht. Dann ist es dort genau richtig. Man sollte sich aber vorher über Hotelpreise informieren, da es doch recht große Unterschiede bei Preis und Leistung gibt.
Also nichts wie raus aus der Urbanität und hinein ins Abenteuerland. Nach wenigen Minuten stellte sich schon das erste Mal die, wo wir eigentlich entlangfahren mussten. Mhhh...erstmal irgendwo links Richtung Berge abbiegen. Keine so schlechte Idee, weil wir so schon nach kurzer Zeit ein Schild mit dem Hinweis auf die heiße Quelle von Banjar erspähten. Schnell wenden und nichts wie hin. Hahaha...schnell wenden ist hier aber nicht! Zu eng! Und in diesem Fall auch etwas zu steil. Trotzdem haben wir es geschafft und kamen nach wenigen Kilometern an einen kleinen Parkplatz mit lauter Parkplatzwächtern, die auf Bali alle mit einer Trillerpfeife ausgestattet sind. So auch hier. Dann standen wir in der prallen Mittagssonne und wurden durch einen kleinen Basar geführt, in dem wieder mal an jedem unserer Beine ein Kind, eine Mutti und ein paar Mädels hingen, die uns die verschiedensten Dinge verkaufen wollten. Also wenn man genug Platz im Koffer hat und den Zoll schmiert, dann lohnt es sich in jedem Fall seine Garderobe mit wunderschöner Kleidung und toll verarbeiteten Möbeln aufzupeppen.
Oh...über uns sitzt gerade ein großer Gecko, der ein wenig Ähnlichkeit mit einem Krokodil hat.
Also hieß es freundlich Lächeln und schnellen Schrittes den Weg zur Hot Spring zu verfolgen. Ein tropisches Badeparadies eröffnete sich hinter einem monumentalen Tor vor unseren Augen. Drei Große Becken mit wasserspeienden Drachenköpfen waren in Terrassenform am Berghang angelegt. Viele Einheimische und Touristen aalten sich im warmen Wasser und genossen das Gefühl endlich den Staub und die drückende Hitze abzuwaschen. Eine sehr friedliche und entspannte Stimmung lag über der Wasserbassins. Aber wir mussten weiter. Der kalte Wasserfall in Munduk reizte uns bei dem Klima sehr viel mehr. Also fix an den Verkäufern vorbei, rein ins Auto, Klimaanlage an, rangieren, Trillerpfeife und los. Die richtige Abzweigung war schnell gefunden und die Tortour für unser treues Gefährt ging in die nächste Runde.
Unglaubliche Steigungen waren zu überwinden, die Kurven so eng, wie in der Wilden Maus. Mindestens. Teilweise wurde es überaus haarig, wenn der Abhang zu unserer Linken gefährlich Nahe kam, weil ein entgegenkommender LKW die Spur nicht halten konnte oder wollte. Augen zu, Schultern anspannen, das Auto mental verkleinern und durch. Passte irgendwie immer. Gerade mal so. So fuhren wir einige Zeit und wurden von Einheimischen schließlich an einer Kreuzung in eine noch kleinere Straße verwiesen. Die kennen sich schon aus. Dachten wir. Der Weg wurde immer unwirtlicher , die Straßenverhältnisse schlecht bis katastrophal. Schlaglöcher ohne Ende, und eine Steigung, die uns Flachländler mehrfach schlucken ließ. Der erste Gang wurde unser Freund und Anfahren am Berg wurde zu einer Zerreißprobe von Nerven und Gaszug. Irgendwann kamen wieder in eine kleine Siedlung, in der wir nach dem Weg fragen konnten. Die Antwort der netten Dorfbewohner lautete, dass wir komplett falsch wären. Aaaaha...gut. Und jetzt? Wenden und zurück? Ja, gute Idee, aber schwierig umzusetzen. Denn Wenden, is ja hier nicht die allerbeste Idee. Na gut, also bei der nächsten Gelegenheit. Auch keine gute Idee, weil die Straße plötzlich nicht mehr befahrbar war. Und nun? Rückwärtsgang und in die kleine Einfahrt zurücksetzen und dann umdrehen. Da saß aber ein niedlicher Hund auf den aufgepasst werden mußte. Vorsichtig zurücksetzen. Vorsichtig. Passte das? Klaro. Und wieder vorwärts. Vorwärts. Vorwärts. Ging aber nicht. Schrappschrapp. Gas. Schrappschrapp. Ne ging nicht. Supi, wir saßen fest. Aussteigen und gucken. Wir hätten einfach sitzen bleiben sollen. Dann wäre der Traum vielleicht eines Tages vorbei gewesen. Dieses Bild war unglaublich. Ich hatte den Wagen so perfekt in einen Graben gelenkt, dass die Karosserie auf der Böschung hing und sich die Hinterräder fröhlich über dem Abgrund des kleines Wasserlaufes drehten. Bevor die richtige Panik auftreten konnte, waren wir zum Mittelpunkt der ganzen Straße geworden und hatten diesmal keine Händler, sondern besorgt dreinschauende Hinduisten um uns versammelt. Auf der kleinen Wiese hinter dem Graben saßen eine Menge Kinder, die das Schauspiel aufmerksam betrachteten und es wohl als eine Art Theaterstück empfanden. Heitere Rufe und wildes Gewinke unterstützte diesen Eindruck. Kannten diese Kinder eigentlich Abschleppwagen? Oder Trecker? Wahrscheinlich nicht. Denn die gibt es hier nicht und würden auch gar nicht durch die Straßen passen. Und nun? Kurz darauf wurde ein Seil vorne an den Wagen gebunden und alle Mann und ich versuchten das verkeilte Stück Blech aus dem Graben ziehen. Ein Bild für die Götter. Alles rief und keuchte und versuchte uns zu helfen. Recht schnell hatten wir das recht große Auto wieder auf der Straße. Die Hindus waren alles so unglaublich freundlich. Wir besorgten schnell Sprite für die ganze Mannschaft (Cola und Wasser gab es in dem Verkaufsstand nicht) und bekamen einen schattigen Sitzplatz angeboten. Nach kurzem Palaver brach die Gruppe gen Tempel auf und wir stiegen mit leicht zittrigen Beinen und zwischenzeitlichem hysterischen Gekicher ins Auto.
Wahrscheinlich ist einiges zu Schaden gekommen, aber außer dem fehlenden Vorderlicht, dem nicht mehr vorhandenen Gummischutz am Hinterreifen und ein paar klitzekleinen Schrammen, ist uns nichts weiter aufgefallen. Auch der Mechaniker ein paar Straßen weiter hob den Daumen, als wir ihm das Wasserleck unter dem Wagen zeigten. Also gut. Richtig Glück im Unglück gehabt. Was für ein Tag. Mal wieder. Wir lassen irgendwie nichts aus hier und überlegen schon, ob wir Abenteuertouren als Firmenincentives anbieten. Einmal den Abhang herunter fallen, aber weich. Das stärkt den Teamgeist bestimmt enorm.
Wahrscheinlich ist einiges zu Schaden gekommen, aber außer dem fehlenden Vorderlicht, dem nicht mehr vorhandenen Gummischutz am Hinterreifen und ein paar klitzekleinen Schrammen, ist uns nichts weiter aufgefallen. Auch der Mechaniker ein paar Straßen weiter hob den Daumen, als wir ihm das Wasserleck unter dem Wagen zeigten. Also gut. Richtig Glück im Unglück gehabt. Was für ein Tag. Mal wieder. Wir lassen irgendwie nichts aus hier und überlegen schon, ob wir Abenteuertouren als Firmenincentives anbieten. Einmal den Abhang herunter fallen, aber weich. Das stärkt den Teamgeist bestimmt enorm.
Danach haben wir eigentlich eher zufällig den richtigen Weg zum Wasserfall gefunden und sind 500 m von der Straße entfernt an ein wahrhaft paradiesisches Fleckchen Erde gekommen. Direkt aus der Felswand ergoss sich ein schäumender Wasserstrahl und spritzte in einen kleinen kiesigen Tümpel, der sich schließlich über eine breite Treppe in einen Wasserlauf ergoss. Es war atemberaubend schön. Nur das Rauschen des Wassers und ein kleines Stückchen Himmel, der wohl akzentuierte Sonnenstrahlen in dieses Tropenparadies schickte. Die Welt war wieder in Ordnung. Wir waren gesund und konnten das Leben genießen. Alles war gut.
Der Entschluss, eine Nacht an diesem Ort zu bleiben kam spontan und wir werden es nicht bereuen, denn die Unterkunft, die wir jetzt gerade unser Eigen nennen können, ist der absolute Wahnsinn!!! Das Schönste, was man sich vorstellen kann. Das ist Bali. So und nicht anders wollen wir es haben. Aber das ist eine andere Geschichte. Nun steigen wir in unser Himmelbett (kein Scherz) und schlafen in meinen Geburtstag :) Das war das letzte Abenteuer mit 30. Terima Kasih...
Bilder folgen so schnell es geht....HAben bis jetzt auch erst 1.200 Fotos geschossen.
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