Sonntag, 20. November 2011

Das Leben ist schön...!

20. Oktober 2011 

Wir sind insgesamt sieben Tage am Ningaloo Reef im Cape Range Nationalpark geblieben und haben dort dem Wind getrotzt. Schnorcheln war an den letzten Tagen leider nur bedingt möglich, weil die Strömungen sehr stark waren und eine Menge Sand und Seegras aufgewirbelt haben, so dass die Sicht unter Wasser ein wenig eingeschränkt war. Trotzdem haben wir noch einige Haie und viele kunterbunte Fische sehen können. Ein paar Kilometer nördlich des Parks haben sich Loggerhead Turtles und Green Turtles einen Raum geschaffen, der unter Schildkröten ein beliebten Ort für deren Paarung darstellt. Als wir dort ankamen, lagen schon diverse Riesenschildkröten am Strand in der Sonne und haben sich von dem, anscheinend sehr erschöpfenden, Akt erholt. Jedes Jahr ist es das gleiche Spiel. Tausende von Schildkröten treten den langen Weg zu ihren Geburtsort an, um dort selbst Eier am Strand abzulegen. Dann verschwinden sie wieder, nur um im nächsten Jahr wieder zu kommen. Leider überleben nur die wenigsten der kleinen Racker, weil die Brutgebiete nur so wimmeln vor natürlichen Feinden wie Haien, anderen großen Fischen und Raubvögeln.

Unser nächster Stopp sollte das 'Red Bluff' sein. Wunderschön in einer Bucht gelegen nördlich von Carnarvon. Zwischendurch haben wir noch auf einer Schaf- und Ziegenfarm geschlafen, die unter anderem auch südamerikanische Ziegen züchtet. Sehr lustige Tiere. Sie sehen ein wenig aus wie Schafe und haben einen ganz langen und sehr dicken Schwanz und liefen ständig um unser Auto herum. Von der 'Bullara Station' sind wir direkt nach Carnarvon gefahren und haben auf einen netten Job gehofft, der unsere Reisekasse wieder ein wenig auffüllen würde. Carnarvon ist sehr bekannt für seine Obst- und Gemüseplantagen und versorgt Australien mit bis zu 80% aller Bananen. Das Visitor Center sagte uns, dass wir direkt zu den Farmen fahren sollten und nach Arbeit fragen sollten. Die erste Farm war eine Cocktailtomatenfarm und sah sehr vielversprechend aus. Nach einem kurzen Gespräch mit der vietnamesischen Besitzerin, von dem wir nur die Wörter 'Chop chop' und höchstens 20% aller Wörter verstanden haben, entschieden wir uns dazu weiter zu fahren. Sie machte uns zwar ein Angebot, aber dafür würden es sich selbst die unter bezahlten asiatischen Hilfskräfte dreimal überlegen zu arbeiten. Also versuchten wir unser Glück auf der benachbarten Bananenfarm. Gute Bezahlung, aber für mich leider nicht machbar. Roland hätte sofort angefangen zu arbeiten, aber ich denke es ist besser einen Job zu machen, der für uns beide tragbar ist. Wir sollten mit der Machete Bananenblätter von den Stauden schneiden. Hörte sich anfangs richtig toll an. Ein bisschen Indiana Jones spielen und sich den Weg im Dschungel frei zu kämpfen. Das Manko war, dass ÜBERALL Spinnen zwischen den Stauden hingen und die vorher entfernt werden sollten. Alles klar. Die Kleinen sind ja okay, aber nicht die Großen! Ein kurzer Blick in die Plantage reichte aus um sagen zu können, dass wir erst mal weiter gucken wollten. Die restlichen Farmen, die wir anfuhren benötigten keine weiteren Helfer um somit haben wir nur eingekauft, uns direkt auf den Farmen mit dem köstlichsten und endlich auch günstigem Obst und Gemüse und mit frischen Kräutern versorgt und sind weiter zum 'Red Bluff' gefahren.

Die Strecke führte uns an den 'Blowholes' vorbei. Bei starkem Wellengang entsteht ein enormer Druck an der felsigen Küste und das Wasser wird durch Löcher meterweit in die Höhe gepustet. Das war der Fall als wir dort ankamen. Wahnsinn, welch ungemeine Kräfte auftreten können, wenn das Meer daran gehindert wird sich auszubreiten. Eine Stunde später und Millionen Huckel weiter auf der 'Dirt Road', erreichten wir die Zufahrt zum 'Red Bluff'. Durch tiefen Sand ging der Weg einen Hügel hinauf und ein bombastischer Ausblicke bot sich uns. Es war einfach nur perfekt! Eine türkise große Bucht lag zu unseren Füßen und an den Grashängen sah man vereinzelt Zelte und Campertrailer stehen. Eine unglaubliche Ruhe ging von diesem Platz aus. Nur die Brandung hatte es in sich. Für die nächsten Tage war ein dicker Swell angesagt. Also nicht nur ein wunderschöner Campspot, sondern auch ein Surfmekka.
Am Ende der Bucht bricht eine unglaublich schöne Welle, die für Anfänger allerdings ungeeignet ist. Sie bricht direkt über einem recht gefährlichen Riff und selbst die Einheimischen haben teilweise Probleme sie zu bändigen. Wir haben bis jetzt bedauerlicherweise immer noch keine Surfbretter kaufen können (entweder Schrott oder zu teuer), aber Roland hat ein Brett von Mark bekommen, das er nutzen konnte. Zufälligerweise, als wir ankamen, ist auch Mark, ein Freund von uns, der jetzt in Perth lebt, mit einem Freund und dessen Sohn aus Deutschland, am Bluff angekommen. Glücklicherweise hatten sie genau neben uns die Luxus-Safarizelte bezogen, so dass wir immer eine Möglichkeit zum Kochen und Duschen hatten. Da es mal wieder sehr windig, wenn nicht gar stürmisch war, hatte unser Gaskocher Urlaub und wurde nur ein einziges Mal genutzt. Wir haben direkt an unserem Platz eine dicke Plane gefunden und uns ein lauschiges Plätzchen zwischen zwei Bäumen gebastelt. Mittlerweile sind wir ziemlich gut im improvisieren. So war es einigermaßen erträglich und wir konnten wenigstens in Ruhe frühstücken, ohne dass uns alles um die Ohren geflogen ist. Einmal haben wir einen Topf mit Reis vom Abend zuvor in unserem 'Wohnzimmer' stehen gelassen und wollten am nächsten Tag einen leckeren Fischkuchen daraus machen. Zu unserer Überraschung bekamen wir allerdings Besuch von einem Känguru, das von Roland dabei erwischt wurde, als es mit seinen Vorderpfoten und reisbedeckter Schnauze in unserem Reistopf hing und sich vollgefuttert hat. Leider gibt es kein Foto davon. Sam und Tanja, die wir dort natürlich auch wiedergetroffen haben, hatten sogar das Vergnügen, dass ein recht großes altes Känguru in deren Zelt gekommen ist und sich das verpackte Brot geschnappt hat. Wir hatten also noch Glück, dass es nicht in unserem Auto war.
Die Woche an diesem 'Magic Spot' war einfach nur schön. Später kam noch der Rest der Familie von Marks Freund und noch weitere Freunde von ihm aus Perth und wir hatten einige schöne Abende am Lagerfeuer, wilde Touren durch die Dünenlandschaften, Spaziergänge an den Steilhängen der schroffen Küste und vieles mehr. Ein paar Haie waren auch im Wasser als die Jungs sich in die Wellen gewagt haben. Aber niemandem ist etwas passiert. Menschen werden hier kaum angegriffen. Nur in und um Perth wurde heute schon der dritte Vorfall gemeldet. Das ist nicht mehr so lustig. Genau an den Plätzen, an die wir auch fahren werden, gab es Angriffe auf Menschen, die leider tödlich ausgegangen sind. Naja...das ist noch einige hundert Kilometer weit entfernt :)

Das nächste Ziel war nicht sehr weit entfernt. Südlich von Carnarvon sind wir zum Francois-Peron Nationalpark gefahren. Immer wieder erstaunliche Landschaften mit roter Erde, zerklüfteten Felsformationen und auch mal einfach Nichts. Im niedlichen Örtchen Denham kurz vor dem Park haben wir uns, wie immer, mit den nötigen Infos versorgt und sind zum ersten Campingplatz gefahren. Pünktlich zum Sonnenuntergang, der mal wieder mehr als spektakulär ausfiel, erreichten wir die 'Big Lagoon' und fanden einen tollen windgeschützten Platz zum übernachten und Abendessen kochen.

Am nächsten Morgen wurden wir früh wach und wurden noch vor dem Frühstück von einem Riesenschwarm Sandfliegen verscheucht. Nie wieder wollen wir die Qualen ertragen, die uns die letzten Stiche beschwert haben. Gerade noch rechtzeitig konnten wir den Platz verlassen und konnten einen kurzen Moment am Wasser genießen, in dem sich fröhlich ein paar Delfine tummelten. Schööööööön....!!! Der Track führte weiter durch ziemlich tiefen Sand und wir mussten aufpassen, dass wir nicht steckenblieben. Zum Glück hatten wir vorher unseren Reifendruck auf die Hälfte reduziert. Ansonsten wären wir bestimmt schon nach einigen hundert Metern einfach stehengeblieben. Leider erwies sich aber der Strand, den wir als nächstes ansteuerten als etwas zu sandig für unseren Wagen. Der Hinweg war okay, aber auf dem Rückweg hat sich unser kleiner Panzer im Sand festgefahren. Es war mittlerweile enorm heiß, aber was soll man machen in einem menschenleeren Nationalpark? Ich habe mit den Händen, und später mit meinem kompletten Körper im Boden gegraben und war nach wenigen Minuten schwarz. Roland nahm die Schaufel. Nach einer gefühlten Stunde hatten wir den Untergrund soweit präpariert, dass die Karre im ersten Gang Low Gear freikam und wir weiterfahren konnten. Schweißnass und mit dunklem Sand paniert gab es ein kurzes Bad im Meer und die Fahrt ging weiter. Die Wegverhältnisse wurden leider nicht viel besser, und die Gefahr sich erneut im Sand wälzen zu müssen wurde nicht geringer. Wir haben uns noch zum nächsten Strand, der zum Glück etwas einfacher zu erreichen war, vorgetastet und genossen einige Minuten des Friedens mit einem fantastischen Ausblick. Aber die Aussicht auf den wirklich sehr riskanten Rückweg ließ uns keine Zeit zum Angeln, Schwimmen, Schnorcheln oder wirklichem Entspannen. Mit recht hoher Geschwindigkeit (für diese Strecke) traten wir die Aufgabe an. Leider muss dort sehr schnell gefahren werden, weil man andernfalls schneller als einem lieb wäre, wieder steckenbleiben würde.

Durchgeschüttelt und dreckig erreichten wir unbeschadet die asphaltierte Straße und atmeten erst mal durch. Reifen aufblasen und weiter. In Denham brauchten wir ein wenig Energie und plünderten die dortige Bäckerei. Die nächste Nacht verbrachten wir weit entfernt vom Nationalpark auf einer ehemaligen Schaffarm. Wie auf allen Farmen gab es dort viele Spinnen, aber das ist mittlerweile Pillepalle. Aber dort gab es etwas, was es anderswo nicht gibt. Einen heißen Pool, der von einer unterirdischen heißen Quelle gespeist wird. Das war mal richtig entspannend. Eine bunte Lichterkette hing über dem Becken und per Knopfdruck konnte man sogar noch Blubbern zuschalten. Herrlich. Das berühmte Monkey Mia haben wir ausgelassen. Dort kann man Delfine füttern und zugucken wie sie gefüttert werden. Es ist allerdings ein Resort und man muss bezahlen, um an diesem großen Ereignis teilzunehmen. Wir hoffen, dass wir demnächst einige Delfine in Freiheit sehen können. Nächste Station: Irgendwo weiter südlich, Richtung Perth.

Fotos vom Paradies folgen...

Mittwoch, 16. November 2011

Erobert im Sturm

Nächster Step. Wir sind übrigens gerade in Margaret River. Der schönste Fleck der ganzen Welt. Wein, Weib und Gesang :)


5. Oktober 2011

So. Wir sind da angekommen, wonach wir uns gesehnt haben. Seit Tagen wissen wir nicht, welchen Tag wir haben (aber der PC weiß Bescheid). Die Tage verbringen wir mit Essen, relaxen, schnorcheln, Strandspaziergängen und Nichtstun. UND...Windprotektoren bauen. Das nahm in den letzten Tagen und Nächten einen sehr großen Teil unserer Zeit in Anspruch. Aber da wir davon im Moment ein wenig unserer Zeit erübrigen können, ist das nicht so tragisch.
Vor ca. fünf Tagen sind wir im Cape Range National Park angekommen. Pünktlich zwei Tage vor Beginn der Schulferien. Wir konnten uns nach der ersten Nacht im Notcamp einen schönen Platz direkt am Strand sichern und teilen dieses wunderschöne Stück Natur nur mit sechs anderen entspannten Campern und einer Menge Tiere. Kängurus hoppeln Tag ein Tag aus durch die Gegend, weiß-pinke Kakadus versuchen einige Brotkrumen zu erhaschen und Spinnen und Schlangen umkreisen, meist für unsere Augen unsichtbar das Camp. Ganz zu schweigen von der enormen Tiervielfalt im Meer. Dieser Nationalpark kann wahrscheinlich nur vom Great Barrier Reef im Osten Australiens getoppt werden. Wenn überhaupt. Der Vorteil hier ist, dass man direkt vom Strand das Riff sehen kann und nach ein paar Paddelschlägen die ersten ersten Papageienfische und Schildkröten sehen kann. Mit etwas Glück kommt man in die Nähe einiger Haie. Wir haben schon Haie gesehen. Allerdings sind diese Reef Sharks etwas kleiner und Fischfresser. Trotzdem wird einem beim Anblick dieser wahnsinnig schnellen und sehr scheuen Minihaie recht mulmig zu Mute. Die Form und der typische Schnitt des Kopfes entspricht haargenau dem ihrer großen Verwanden. Heute war ein perfekter Schnorcheltag. Der Wind flachte ein wenig ab und wir konnten zwei Tauchgänge machen. Der Park bietet mehrere Spots an denen man tauchen kann. Wir favorisieren das Riff, das genau vor unserer Nase liegt. Lakeside. So heißt auch unser Campingplatz. Viele Tagesgäste denken genauso wie wir und haben die Möglichkeit hier zu parken. Heute morgen waren wir nach dem Frühstück voller Vorfreude, hatten unsere Badesachen an und die Schnorchelausrüstung in der Hand, als plötzlich ein Inder vor uns stand. Er kommt eigentlich aus Südafrika, wohnt aber jetzt in Perth. Eigentlich denkt man ja, dass Afrikaner ein Händchen für Sand haben. Nicht so unser lieber Gast. Er hatte sich mit seinem 2-Rad-Antrieb-Normalo-Dödel-Auto im tiefen Sand festgefahren. Okay...passiert. Nachdem wir mit vereinten Kräften versucht haben den bis zur Motorhaube versackten Wage wieder freizubekommen, haben wir ihn mit unserem Panzer herausgezogen. Gut, dass wir einen 4WD haben. Schafft man es allerdings hier nicht allein oder mit Hilfe anderer aus dem Sand zu kommen, dann hat man zwei Probleme. Erstens sind Handys hier nutzlos, weil es keine Netzabdeckung gibt, und falls man jemanden mit einem Funkgerät gefunden hat, dann muss man, hier kommt das zweite Problem, 1000 $ (!!!!) bezahlen um sich von einem Fahrzeug aus der Stadt wieder herausziehen zu lassen. Wahnsinn, oder? Glücklicherweise befinden sich eigentlich immer irgendwelche Wagen mit genug Power in der Nähe. Und das einzige was die Helfer in der Not hier an Bezahlung von einem verlangen, ist, dass man dem nächsten Menschen hilft, wenn dieser in Not ist. Das ist toll. Die Menschen hier sind wirklich sehr hilfsbereit und meist ausgesprochen erfahren. Kein Wunder...hier kommt jeder über kurz oder lang in eine Situation, die Hilfe erfordert. Auch wir haben schon davon profitiert und konnten diese Hilfe nun weitergeben.


Ich bin dann mal weg...

A lonesome Snorkler

Die war wirklich schön. Aber nur von weit weg.

Genau wie die kleine Schwester Thekla.

Sehr tiefer Sand, aber mit viel Anfeuerung von Sam und Tanja haben wir es geschafft zurückzukommen. Ein wunderschönes Fischerparadies am Neds Camp im Nationalpark.

Sonnenuntergang am Lakeside Camp, unserem homespot. 

Tanja, ein dänische Backpacker (der aber nur dänisch getan hat, und den ich als Deutschen entlarvt habe) und ich haben die Mandu Mandu Gorge erkundet als es zu windig zum schnorcheln war. 

Unser Beitrag zum Sandburgenwettbewerb. Die Schnorchlerin.


Die Jungs waren mal wieder fischen. Jetzt schon zu dritt. Kirk und Kathy sind zu uns gestoßen.

Die Korallen können sehr spitz sein. Beim rückwärts tauchen ist es schwer etwas anderes zu beobachten als die Fische.

Unser Blick vom Cockpit in den hinteren Teil des Wagens. Voll.



Gestern waren wir in der „Stadt“ und haben unsere Vorräte aufgefüllt. Und Roland hat sich eine Angel gekauft. Bis jetzt haben wir nur mit unseren Handleinen gefischt, aber wir hoffen auf den großen Biss mit der neuen Angel. Jetzt gerade sitzt er mit Sam am Strand und versucht unser Abendessen zu sichern. Zur Not werden wir die frischen Prawns essen, die unsere Nachbarn uns mitgebracht haben.

Der Wind ist nicht mehr ganz so schlimm wie an den letzten Tagen. Der Regen hat sich verzogen und die rasselnde Plane, die unser kleines Gepäckzelt vor Regen geschützt konnte abgebaut werden. Die Nächte waren sehr anstrengend. Roland hat geschlafen wie ein Baby, aber ich bekam kein Auge zu. Die Plane machte ständig „flap...flap...flap...flapflapflap...flapflapflapflapflap!“ und dann wurden die Heringe von der Wucht des Sturms herausgerissen und ich musste raus in den kalten Wind und alles wieder befestigen. Ganz toll, wenn man die Kontaktlinsen nicht mehr auf den Augen hat. Aber das Zelt hat überlebt. Und wir können jetzt wieder in Ruhe schlafen. Es ist zwar noch sehr windig, aber das ist normal zu dieser Jahreszeit. Der Wind wird uns auf der gesamten Reise an der Westküste begleiten. Typisch Norddeutsch eben.


6. Oktober 2011

WIND!!! Aber das macht nichts. Wir haben gestern entschieden unsere Zelte in zwei Tagen abzubrechen und weiter gen Süden zu fahren. Darum nutzen wir die letzten Möglichkeiten für weitere Schnorchelgänge (Tanja und ich) und fischen gehen (Roland und Sam). Leider ist der Erfolg noch nicht wirklich eingetreten, aber das ändert sich bestimmt. Die Strömung ist gerade sehr stark hier und das hat Einfluss auf die Fische. Schnorcheln war auch nicht gerade einfach, da man sehr schnell abgetrieben wird und es schwer ist auf einer Stelle und somit auch in einem sicheren Gebiet zu bleiben ohne sich nach einiger Zeit auf offener See wiederzufinden und mit den großen und gefährlichen Kreaturen in Kontakt zu kommen. In Strandnähe ist es der absolute Wahnsinn. Wir haben mittlerweile hunderte verschiedene Fischarten gesehen, die sich zwischen Korallen tummeln. Kleine blaue Putzerfische, die sich in den Korallen verstecken, riesige, bestimmt sehr leckere Fische, giftige Fische, in tausend verschiedenen Farben schimmernde Papageienfische, intelligent wirkende Doktorfische, geheimnisvolle Batfische, rosa, gelbe, orange, rote, grüne, lila, weiße, türkise, gestreifte, gepunktete, getigerte und wild gemusterte Fische, kleine und auch bis zu zwei Meter lange Rochen, Haie, Trompetenfische und, und, und. Viele Fische auf jeden Fall. Einfach wunderschön. Und da sich hier viele Familien tummeln, haben wir das Riff fast für uns allein, wenn wir etwas weiter raus schwimmen. Es ist zeitweise wie im Paradies. Man geht ein paar Schritte und schon sieht man keinen Menschen mehr. Der Sand ist weiß, das Meer türkis, der Himmel blau und die Berge im Hintergrund grün. Das Schöne an Nationalparks in Australien ist, dass die Kosten sich auf recht wenig belaufen. Man bezahlt einmal etwa 8 Euro Eintritt und jede Nacht, die man auf einem Campingplatz verbringt kostet einen weitere 5,50 Euro. Ein Schnäppchen im Gegensatz zu den teilweise Wucherpreisen außerhalb.

Heute habe ich mit Tanja beim „Kreaturen des Meeres – Sandburgenwettbewerb“ mitgemacht. Wir liefen außer Konkurrenz, weil die anderen Teilnehmer kleine Kinder und Familien waren. Egal, es hat eine Menge Spaß gemacht. Unsere Kreatur war eine Schnorchlerin. Obwohl wir keinen Preis bekommen haben, gab es einen tosenden Applaus von den anderen und viele Fotos wurden von unserer Strandschönheit geschossen. Danach ging es noch eine Runde zum Schorcheln (nachdem ich mir ein monströses Stückchen Holz aus dem Fuß gezogen habe) Leider keine Schildkröten, dafür aber Millionen anderer Schönheiten, die sich von der Strömung treiben ließen. Es ist einfach nur schön hier.

Trotzdem ist es Zeit zu gehen. Wir wollen vielleicht einige Tage auf einer Farm bleiben und uns dann mit einem Freund aus Perth und einigen seiner Freunde am „Red Bluff“ treffen. Das sind nur ein paar hundert Kilometer die Küste herunter. Dieser Ort ist in ganz Australien bekannt für seine Wellen. Massive und sehr große Brecher sind dort nicht selten und viele Profis kommen an diesen Spot um ihr Können unter Beweis zu stellen. Mmmmhhh.....! Ich werde wahrscheinlich ein paar Strandtage einlegen und mit einem Erste-Hilfe-Set immer zur Stelle sein. Roland freut sich schon sehr. Hoffentlich kann er eines der Bretter der anderen nutzen. Wir haben nämlich bis jetzt noch nichts Brauchbares gefunden. Finde ich eigentlich gar nicht soooo schlimm. Wahrscheinlich werden wir in Perth etwas Geeignetes für humane Preise finden. Südlich von Perth scheint es nämlich auch einige Strände für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis zu geben. Nicht nur für Freaks und Selbstmörder.

So, jetzt muss ich mal eben unser Wasser nachfüllen fahren. Der einzige Wasserhahn im Nationalpark befindet sich nur ein paar Kilometer von unserem Campingplatz entfernt. Es ist zwar kein Trinkwasser, aber wenigstens kann man damit abwaschen und sich die Zähne putzen. Mal schauen, ob dort wieder die Emus und Kängurus mit ihren Babys im Beutel rumlungern und darauf warten einige Wassertropfen zu ergattern. Emus sind im übrigen sehr dumme Tiere. Und ich wundere mich, warum sie für das Australische Wappen gewählt wurden.

Der Südafrikaner, den wir gestern aus dem Sand gezogen haben, hat uns heute übrigens eine Flasche Rotwein gebracht. Sehr sehr nett! Vielen Dank dafür.

Mittwoch, 9. November 2011

Es geht weiter...

So...lang ist es her. Ich habe den Blog weiter geschrieben, aber leider hatten wir kaum Möglichkeiten ins Internet zu kommen. Heute haben wir den 7. November. So langsam werde ich jetzt unsere Reiseberichte der Reihenfolge nach hier einstellen. 


24. September 2011


Wir haben es endlich geschafft und durften Broome verlassen. Nach ganzen drei Monaten sind wir nun endlich wieder unterwegs. Die letzten beiden Nächte haben wir in Port Smith verbracht. Das ist ein Caravan Park nur 140 Km südlich von Broome. Da wir am Tag unserer Abfahrt noch sehr viel erledigen mussten, sind wir sehr spät los gekommen und waren froh, dass unser nächstes Ziel nur einen Katzensprung entfernt lag. Wir wollten einfach nur irgendwo ausatmen und relaxen. Die vergangenen Tage hatten es in sich und wir waren einfach nur ausgelaugt, müde und kaputt. 

Es war kaum fassbar als wir endlich im Auto saßen und wirklich alles geschafft hatten. Die Freiheit war da, man konnte es fühlen. Die Straße hatte uns wieder.

Als wir in Port Smith Lagoon ankamen, hatten wir die kompletten unpowered sites, also die Plätze ohne Stromanschluss, für uns und konnten uns einen tollen Platz unter Bäumen aussuchen. Kaum waren wir ausgestiegen, wurden wir von einem riesigen Schwarm Sandfliegen angegriffen. Die Stiche hielten ca. eine Woche und juckten sehr viel stärker als alles andere auf dieser Welt. Sieben Nächte mit sehr wenig Schlaf waren wirklich ein Krampf. Als Entschädigung haben wir am nächsten Morgen mit Kängurus gefrühstückt und sind danach in eine traumhafte Lagune gefahren, in der wir unsere ersten Schildkröten, Rochen und Krebse gesehen haben. 








Soooo süß...das Kleine hat mir aus der Hand gefressen.




Eine gewisse Ähnlichkeit ist vorhanden...!!!



Keine Fische gefangen, aber dafür gab es Schildkröten und Rochen.


Gar nicht mal so einfach mit der Handleine.


Sprit alle. Aber wir sind gewappnet. 



Im Moment fahren wir auf dem Northern Highway Richtung Süden. Die nächste Station ist South Hedland, eine kleine „Mining Town“, die laut Erzählunen, nicht zum Verweilen einlädt. Wir wollen aber eh nur unsere Vorräte auffüllen und dann auf dem schnellsten Weg Richtung „Karijini National Park“ fahren.

Doch gerade jetzt kommt es mir so vor als wenn wir im Schneckentempo vorankommen.

Die Straße nimmt kein Ende und es ist unbeschreiblich heiß. Der Wind, der durch die Fenster weht, kann es locker mit der heißesten Stufe meines Föhns zu Hause aufnehmen. Und die ist HEISS!!! Der Asphalt wirkt flüssig und die uns entgegenkommenden monströsen Roadtrucks scheinen auf der Oberfläche zu schwimmen. Alle halbe Stunde hebt Roland seinen Zeigefinger vom Lenkrad um den Gruß eines Fahrers auf der Gegenspur zu erwidern. Man sieht nicht sehr viele Fahrzeuge hier. Die Hitze im Wagen wird noch durch den kochenden Motor, der heiße Luft in den Fußraum bläst, verstärkt und einen Angriff auf unsere Kühlbox vollzieht. Es ist nicht mehr die alte schraddelige Box, die uns bis Broome begleitet hat, sondern eine 115 $ Box mit sehr dicken Wänden und einem gummierten Deckel, damit die Kälte nicht so schnell entweichen kann. Wir sind gespannt wie sich der Neue macht. Die angepriesenen 5 Tage Kühlzeit wird er unter diesen Bedingungen allerdings nicht erreichen. Aber je weiter wir Richtung Süden reisen umso kühler wird es hoffentlich auch. Wenigstens ein bisschen. Im Schatten knapp 40 Grad ist zu viel des guten.



Nun sind wir mehrere hundert Kilometer von Broome entfernt und haben eine kleine Rast im „Sandfire Roadhouse“ eingelegt Gerade als wir weiter fahren wollten kam mir eine bekannt Gestalt entgegen. Klein und sehr sehr rund. Das musste Dirk Bach sein. Allerdings trug er Motorradklamotten. Dann blieb nur noch Ken. Der Freund meiner Putzkollegin in der „Vacation Village“, dem Caravan Park in Broome. Es war Ken. Australien ist soooo groß, aber doch soooo klein. Ständig treffen wir bekannte Gesichter wieder. Ken erzählte uns, dass er mal eben schnell mit „Lucy“, seiner Harley, nach Karratha runter balllert um seinen Caravan zu verkaufen, ein anderes Motorrad aufzumöbeln und ein paar Bierchen mit seinen alten Kollegen verhaften will. Mal eben ist gut....aber die ticken einfach anders hier. Er ist schon seit 25 Jahren mit seiner Harley in Western Australia unterwegs und kennt fast jede Straße, jede Dirt Road und jede noch so kleine Stadt. Gemessen an der Größe dieses Staates ist das eine sehr respektable Leistung. Unsere Karte ist mittlerweile auch gespickt mit kleinen Kreuzen, Markierungen, Zeichen und unleserlichen Dingen, die Ken eingezeichnet hat.Wir müssen nur noch herausfinden, welche Kreuze für „gute Campspots“, welche für „teure Tankstelle“ und welche einfach für einen tollen Ort stehen. Überraschung.

Gestern wurde uns klar, dass wir nur noch sehr wenig Zeit für unsere geplante Route haben. Wir waren einfach zu lange auf Bali und in Broome. Nicht zu lange, aber eben sehr lange. Weihnachten wollen wir wahrscheinlich bei Sam und Tanja in Melbourne verbringen. Deren Familien bieten sich an, uns eine Ersatzfamilie über die Festtage zu spielen. Tanjas Mutter ist Deutsche und freut sich schon darauf mit uns deutsche Weihnachtslieder zu singen. Helau!!! Das wird sich schlagartig ändern, wenn wir anfangen unter dem Weihnachtsbaum zu trällern. Nicht ohne Grund halten wir uns sonst mit unserem Gesang sehr im Hintergrund. Heilig Abend feiern wir, glaube ich bei Tanjas Eltern, dann geht’s zu Sams Eltern, die in einem Nationalpark wohnen und dann irgendwo an die „Great Ocean Road“. Hört sich ziemlich gut an für ein Weihnachten außerhalb Bremens. Und warm. Das wird das erste Weihnachten in Flip Flops.

Aber bis dahin haben wir noch unglaublich viel auf unserer Liste.






28. Oktober 2011


Das waren ein paar herrliche Tage. Nachdem wir in South Hedland unsere Vorräte und Eis erneuert und getankt haben, fanden wir eine Cattle Station, nicht weit entfernt vom Highway, auf der wir die Nacht verbringen konnten. Indee Station ist eine arbeitende Rinderfarm, die, wie viele andere Farmen, Reisenden für wenig Geld eine Unterkunft auf dem großen Hofgelände bietet. Dort gab es Duschen, Toiletten, eine Küche mit Kühlschrank und Gefriertruhe (!!!) und einen Schattenplatz mit Picknickplatz für uns. Perfekt. Nur die Riesenspinne, die plötzlich neben mir saß war nicht so toll. Sie ließ sich auch nicht vertreiben und war nach Rolands ersten Versuch sie in den Busch zu verbannen kurze Zeit später schön wieder gefährlich nahe an meinen Beinen. Es dauerte recht lange bis er sie endlich so weit von unserem Platz fort getrieben hatte, dass wir für längere Zeit unsere Ruhe hatten. Es tut mir auch wirklich leid, dass es bei eine ganz leicht Panik auslöst, wenn plötzlich so ein Riesenvieh an unserem Essenskörbchen hängt, aber so ist das nun einmal. Klein und ohne Haare ist ja okay, aber groß und haarig, oder auch keine Haare, das muss nicht sein. Vor allem kann man den Abend nicht genießen, wenn der Blick mit der Kopflampe auf der Stirn pausenlos gehetzt umherschweift und man nach Störenfrieden Ausschau hält. Um die Sterne besser zu sehen muss es zu meinem Unwohlsein dunkel sein. Das bedeutet, Lampe aus und ruhig sein. Haha...dann kommen die Tierchen ja noch eher in unsere Richtung. Schlangen verschwinden hier relativ schnell, wenn sie Vibrationen in der Erde spüren, Spinnen mögen Licht nicht so gerne. Also ist es das Beste die ganze Zeit mit Lampe auf dem Kopf hin und her zu laufen. Über den Punkt bin ich allerdings schon länger hinweg. Man gewöhnt sich an alles. Auch an Spinnen. Mittlerweile machen nur die großen und haarigen Stress. Die Nacht haben wir gut überstanden und sind am nächsten Tag vor unserer Weiterreise noch zum „Red Rock“ gefahren. Ein paar Kilometer Dirt Road in das karge Hinterland. Der rote Berg steht inmitten flacher Landschaft. Dort angekommen, kraxelten wir die steilen Wände empor und konnten unsere ersten Aborigines Zeichnungen sehen. Sie sahen aus wie ziemlich große Urzeitwanzen. Vielleicht gab es solche großen Insekten wirklich damals. Und wenn nicht hier, wo dann?

Dann wurde es Zeit und wir mussten uns sputen um rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang im Karijini Nationalpark anzukommen.




Schade, dass Insekten auf Fotos meist nicht so furchterregend wirken. Aber sie war es wirklich!


Spinnenentfernkommando voran! Danke :)


Schnappschuss aus dem Fenster. War aber der Berg neben dem 'Red Rock'





Das waren die ersten Tage nach unserer Abfahrt aus Broome. Ich taste mich langsam heran. Seit drei Tagen sind wir in Port Kennedy bei Freunden von Freunden. Sehr praktisch. Der Winter ist spontan zurück gekommen und wir sind froh über ein Dach und ein BETT (!!!!!!!!!!) und Strom, eine Küche, Dusche, Tisch und alles andere. Vielen Dank an Ryan, Duane und Lisa! Die beiden Hunde machen nur Quatsch und die Katze ist verrückt. Gestern morgen hat sie versucht mit Gewalt in unser Zimmer zu kommen. Rammen und an die Klinke springen hat aber nix genützt. Später stand sie aufrecht am Küchenfenster und hat Roland erschreckt. 



Kennt eigentlich jemand Schniedelfische? Wenn nicht, dann merke: Nie in unbekannte Gewässer pinkeln! Es gibt später auch eine Geschichte dazu.