20. Oktober 2011
Wir sind insgesamt sieben Tage am Ningaloo Reef im Cape Range Nationalpark geblieben und haben dort dem Wind getrotzt. Schnorcheln war an den letzten Tagen leider nur bedingt möglich, weil die Strömungen sehr stark waren und eine Menge Sand und Seegras aufgewirbelt haben, so dass die Sicht unter Wasser ein wenig eingeschränkt war. Trotzdem haben wir noch einige Haie und viele kunterbunte Fische sehen können. Ein paar Kilometer nördlich des Parks haben sich Loggerhead Turtles und Green Turtles einen Raum geschaffen, der unter Schildkröten ein beliebten Ort für deren Paarung darstellt. Als wir dort ankamen, lagen schon diverse Riesenschildkröten am Strand in der Sonne und haben sich von dem, anscheinend sehr erschöpfenden, Akt erholt. Jedes Jahr ist es das gleiche Spiel. Tausende von Schildkröten treten den langen Weg zu ihren Geburtsort an, um dort selbst Eier am Strand abzulegen. Dann verschwinden sie wieder, nur um im nächsten Jahr wieder zu kommen. Leider überleben nur die wenigsten der kleinen Racker, weil die Brutgebiete nur so wimmeln vor natürlichen Feinden wie Haien, anderen großen Fischen und Raubvögeln.
Unser nächster Stopp sollte das 'Red Bluff' sein. Wunderschön in einer Bucht gelegen nördlich von Carnarvon. Zwischendurch haben wir noch auf einer Schaf- und Ziegenfarm geschlafen, die unter anderem auch südamerikanische Ziegen züchtet. Sehr lustige Tiere. Sie sehen ein wenig aus wie Schafe und haben einen ganz langen und sehr dicken Schwanz und liefen ständig um unser Auto herum. Von der 'Bullara Station' sind wir direkt nach Carnarvon gefahren und haben auf einen netten Job gehofft, der unsere Reisekasse wieder ein wenig auffüllen würde. Carnarvon ist sehr bekannt für seine Obst- und Gemüseplantagen und versorgt Australien mit bis zu 80% aller Bananen. Das Visitor Center sagte uns, dass wir direkt zu den Farmen fahren sollten und nach Arbeit fragen sollten. Die erste Farm war eine Cocktailtomatenfarm und sah sehr vielversprechend aus. Nach einem kurzen Gespräch mit der vietnamesischen Besitzerin, von dem wir nur die Wörter 'Chop chop' und höchstens 20% aller Wörter verstanden haben, entschieden wir uns dazu weiter zu fahren. Sie machte uns zwar ein Angebot, aber dafür würden es sich selbst die unter bezahlten asiatischen Hilfskräfte dreimal überlegen zu arbeiten. Also versuchten wir unser Glück auf der benachbarten Bananenfarm. Gute Bezahlung, aber für mich leider nicht machbar. Roland hätte sofort angefangen zu arbeiten, aber ich denke es ist besser einen Job zu machen, der für uns beide tragbar ist. Wir sollten mit der Machete Bananenblätter von den Stauden schneiden. Hörte sich anfangs richtig toll an. Ein bisschen Indiana Jones spielen und sich den Weg im Dschungel frei zu kämpfen. Das Manko war, dass ÜBERALL Spinnen zwischen den Stauden hingen und die vorher entfernt werden sollten. Alles klar. Die Kleinen sind ja okay, aber nicht die Großen! Ein kurzer Blick in die Plantage reichte aus um sagen zu können, dass wir erst mal weiter gucken wollten. Die restlichen Farmen, die wir anfuhren benötigten keine weiteren Helfer um somit haben wir nur eingekauft, uns direkt auf den Farmen mit dem köstlichsten und endlich auch günstigem Obst und Gemüse und mit frischen Kräutern versorgt und sind weiter zum 'Red Bluff' gefahren.
Die Strecke führte uns an den 'Blowholes' vorbei. Bei starkem Wellengang entsteht ein enormer Druck an der felsigen Küste und das Wasser wird durch Löcher meterweit in die Höhe gepustet. Das war der Fall als wir dort ankamen. Wahnsinn, welch ungemeine Kräfte auftreten können, wenn das Meer daran gehindert wird sich auszubreiten. Eine Stunde später und Millionen Huckel weiter auf der 'Dirt Road', erreichten wir die Zufahrt zum 'Red Bluff'. Durch tiefen Sand ging der Weg einen Hügel hinauf und ein bombastischer Ausblicke bot sich uns. Es war einfach nur perfekt! Eine türkise große Bucht lag zu unseren Füßen und an den Grashängen sah man vereinzelt Zelte und Campertrailer stehen. Eine unglaubliche Ruhe ging von diesem Platz aus. Nur die Brandung hatte es in sich. Für die nächsten Tage war ein dicker Swell angesagt. Also nicht nur ein wunderschöner Campspot, sondern auch ein Surfmekka.
Am Ende der Bucht bricht eine unglaublich schöne Welle, die für Anfänger allerdings ungeeignet ist. Sie bricht direkt über einem recht gefährlichen Riff und selbst die Einheimischen haben teilweise Probleme sie zu bändigen. Wir haben bis jetzt bedauerlicherweise immer noch keine Surfbretter kaufen können (entweder Schrott oder zu teuer), aber Roland hat ein Brett von Mark bekommen, das er nutzen konnte. Zufälligerweise, als wir ankamen, ist auch Mark, ein Freund von uns, der jetzt in Perth lebt, mit einem Freund und dessen Sohn aus Deutschland, am Bluff angekommen. Glücklicherweise hatten sie genau neben uns die Luxus-Safarizelte bezogen, so dass wir immer eine Möglichkeit zum Kochen und Duschen hatten. Da es mal wieder sehr windig, wenn nicht gar stürmisch war, hatte unser Gaskocher Urlaub und wurde nur ein einziges Mal genutzt. Wir haben direkt an unserem Platz eine dicke Plane gefunden und uns ein lauschiges Plätzchen zwischen zwei Bäumen gebastelt. Mittlerweile sind wir ziemlich gut im improvisieren. So war es einigermaßen erträglich und wir konnten wenigstens in Ruhe frühstücken, ohne dass uns alles um die Ohren geflogen ist. Einmal haben wir einen Topf mit Reis vom Abend zuvor in unserem 'Wohnzimmer' stehen gelassen und wollten am nächsten Tag einen leckeren Fischkuchen daraus machen. Zu unserer Überraschung bekamen wir allerdings Besuch von einem Känguru, das von Roland dabei erwischt wurde, als es mit seinen Vorderpfoten und reisbedeckter Schnauze in unserem Reistopf hing und sich vollgefuttert hat. Leider gibt es kein Foto davon. Sam und Tanja, die wir dort natürlich auch wiedergetroffen haben, hatten sogar das Vergnügen, dass ein recht großes altes Känguru in deren Zelt gekommen ist und sich das verpackte Brot geschnappt hat. Wir hatten also noch Glück, dass es nicht in unserem Auto war.
Die Woche an diesem 'Magic Spot' war einfach nur schön. Später kam noch der Rest der Familie von Marks Freund und noch weitere Freunde von ihm aus Perth und wir hatten einige schöne Abende am Lagerfeuer, wilde Touren durch die Dünenlandschaften, Spaziergänge an den Steilhängen der schroffen Küste und vieles mehr. Ein paar Haie waren auch im Wasser als die Jungs sich in die Wellen gewagt haben. Aber niemandem ist etwas passiert. Menschen werden hier kaum angegriffen. Nur in und um Perth wurde heute schon der dritte Vorfall gemeldet. Das ist nicht mehr so lustig. Genau an den Plätzen, an die wir auch fahren werden, gab es Angriffe auf Menschen, die leider tödlich ausgegangen sind. Naja...das ist noch einige hundert Kilometer weit entfernt :)
Das nächste Ziel war nicht sehr weit entfernt. Südlich von Carnarvon sind wir zum Francois-Peron Nationalpark gefahren. Immer wieder erstaunliche Landschaften mit roter Erde, zerklüfteten Felsformationen und auch mal einfach Nichts. Im niedlichen Örtchen Denham kurz vor dem Park haben wir uns, wie immer, mit den nötigen Infos versorgt und sind zum ersten Campingplatz gefahren. Pünktlich zum Sonnenuntergang, der mal wieder mehr als spektakulär ausfiel, erreichten wir die 'Big Lagoon' und fanden einen tollen windgeschützten Platz zum übernachten und Abendessen kochen.
Am nächsten Morgen wurden wir früh wach und wurden noch vor dem Frühstück von einem Riesenschwarm Sandfliegen verscheucht. Nie wieder wollen wir die Qualen ertragen, die uns die letzten Stiche beschwert haben. Gerade noch rechtzeitig konnten wir den Platz verlassen und konnten einen kurzen Moment am Wasser genießen, in dem sich fröhlich ein paar Delfine tummelten. Schööööööön....!!! Der Track führte weiter durch ziemlich tiefen Sand und wir mussten aufpassen, dass wir nicht steckenblieben. Zum Glück hatten wir vorher unseren Reifendruck auf die Hälfte reduziert. Ansonsten wären wir bestimmt schon nach einigen hundert Metern einfach stehengeblieben. Leider erwies sich aber der Strand, den wir als nächstes ansteuerten als etwas zu sandig für unseren Wagen. Der Hinweg war okay, aber auf dem Rückweg hat sich unser kleiner Panzer im Sand festgefahren. Es war mittlerweile enorm heiß, aber was soll man machen in einem menschenleeren Nationalpark? Ich habe mit den Händen, und später mit meinem kompletten Körper im Boden gegraben und war nach wenigen Minuten schwarz. Roland nahm die Schaufel. Nach einer gefühlten Stunde hatten wir den Untergrund soweit präpariert, dass die Karre im ersten Gang Low Gear freikam und wir weiterfahren konnten. Schweißnass und mit dunklem Sand paniert gab es ein kurzes Bad im Meer und die Fahrt ging weiter. Die Wegverhältnisse wurden leider nicht viel besser, und die Gefahr sich erneut im Sand wälzen zu müssen wurde nicht geringer. Wir haben uns noch zum nächsten Strand, der zum Glück etwas einfacher zu erreichen war, vorgetastet und genossen einige Minuten des Friedens mit einem fantastischen Ausblick. Aber die Aussicht auf den wirklich sehr riskanten Rückweg ließ uns keine Zeit zum Angeln, Schwimmen, Schnorcheln oder wirklichem Entspannen. Mit recht hoher Geschwindigkeit (für diese Strecke) traten wir die Aufgabe an. Leider muss dort sehr schnell gefahren werden, weil man andernfalls schneller als einem lieb wäre, wieder steckenbleiben würde.
Durchgeschüttelt und dreckig erreichten wir unbeschadet die asphaltierte Straße und atmeten erst mal durch. Reifen aufblasen und weiter. In Denham brauchten wir ein wenig Energie und plünderten die dortige Bäckerei. Die nächste Nacht verbrachten wir weit entfernt vom Nationalpark auf einer ehemaligen Schaffarm. Wie auf allen Farmen gab es dort viele Spinnen, aber das ist mittlerweile Pillepalle. Aber dort gab es etwas, was es anderswo nicht gibt. Einen heißen Pool, der von einer unterirdischen heißen Quelle gespeist wird. Das war mal richtig entspannend. Eine bunte Lichterkette hing über dem Becken und per Knopfdruck konnte man sogar noch Blubbern zuschalten. Herrlich. Das berühmte Monkey Mia haben wir ausgelassen. Dort kann man Delfine füttern und zugucken wie sie gefüttert werden. Es ist allerdings ein Resort und man muss bezahlen, um an diesem großen Ereignis teilzunehmen. Wir hoffen, dass wir demnächst einige Delfine in Freiheit sehen können. Nächste Station: Irgendwo weiter südlich, Richtung Perth.
Fotos vom Paradies folgen...
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