Mittwoch, 7. Dezember 2011

Kinder...pinkelt nie in Steckdosen!

Wir sind immer noch in Margaret River. Die Brände sind gelöscht und heute hat es ganz viel geregnet. Die Regierung hat scheiße gebaut und muss sie wieder auslöffeln. Ich arbeite seit 2,5 Wochen auf einem Weingut und werde wahrscheinlich nie Kinder bekommen können. Roland hat bis jetzt das Leben genossen, ist surfen gegangen und hat sich von seinem Heuschnupfen erholt. Roland hatte heute seinen zweiten Tag auf einer BAustelle und durfte den ganzen Tag saugen. Ich hatte frei, weil es stark geregnet hat und die Arbeit in den Weinbergen einfach zu schwer und zu dreckig ist, wenn alles trieft. 

Hinweis für jeden, der in kurzer Zeit viel Muskelmasse zulegen und Gewicht verlieren möchte: Arbeitet doch einfach mal auf einem Weingut, das eigentlich schon vor einem Monat die Drähte zum stabilisieren der Weinstöcke hochziehen hätte müssen. "Guten Tag...mein Name ist Arnold. Arnold Schwarzenegger." Schön, wenn die T-Shirts an den Schultern anfangen zu spannen und sich ein Waschbrett durch das Oberteil abzeichnet. Bringt einem aber auch nichts, wenn man bei sengender Hitze mit 50+ Sonnenschutzfaktor, Schlapphut, Boots und langen Klamotten zwischen den Reben steht und fast auf eine Tiger Snake getreten wäre. Die sind selten und aber nicht selten tödlich. Muskeln helfen da nicht. Meine Kollegin und ich haben uns schnellstens vom Acker gemacht. Bis jetzt ist sie nicht wieder aufgetaucht. TOLL!!! Die leben dort und wir fuchteln mit den Händen im undurchdringlichen Gestrüpp herum. Spinnen gibt es dort Millionen. Aber da die Arbeit so unglaublich hart ist, habe ich einfach aufgehört mich zu ängstigen. Ich würde sie nicht mit ins Bett nehmen, aber selbst die größeren Exemplare gehören einfach dazu. Und das allerbeste sind die Christmas Spider. Wahnsinnig süße Spinnen, von denen ich mir wirklich ein Risenkuscheltier wünschen würde. So wie die, die es auf dem Freimarkt bei den Losbuden gibt. Viel besser als das ganze Gelumps dort. Googelt die mal. Süüüüüß...mit Stacheln auf dem Rücken. 

Wir machen jetzt ein leckeres Thai-Curry aus einem riesigen Stück Beef Scotch Filet. Wir haben nämlich eine Küche, einen Kühlschrank, ein Bett und eine Dusche. Muss man ja immer wieder betonen. 

Hier noch ein kleiner Rückblick auf unsere Zeit auf einer typisch australischen Farm. Bilder gibt es tausende, aber leider ist unser Guthaben mal wieder fast am Ende und das Hochladen von Fotos würde gerade den Rahmen sprengen. Ich werde aber versuchen in den nächsten Tagen in ein Internetcafé zu kommen und von dort die Laderei starten. Wir haben nämlich wirklich einige sehr sehr schöne Aufnahmen. Bis denn dann und eine wunderschöne Adventszeit wünsche ich Euch. Hier wird übrigens Weihnachtsmusik im Supermarkt gespielt. Draußen herrscht einen Bullenhitze und drinnen laufen Verkäufer mit Elchhaarreifen rum. Sehr seltsam. Die Weihnachtsstimmung läuft hier gen Null. Gerade wurden wir zu einer Weihnachtsparty am Strand eingeladen...mit dem Hinweis bitte die Badesachen nicht zu vergessen. Ich hätte nichts gegen eine Feuerzangenbowle mit allen lieben Leuten dieser Welt einzuwenden. Am liebsten an dem Stand, an dem Sonja im letzten Jahr den riesigen Kessel geputzt hat :))) Sonja, Andrea, Jens...trinkt bidde eine für mich mit. Danke. Ihr fehlt mir.... 
 
Wahrscheinlich werden wir Weihnachten in Tasmanien sein. Aber vielleicht auch nicht. Irgendwie ändern sich unsere Pläne jede Woche. Auf jeden Fall wird es warm sein. 


Rückblick:

21. Oktober 2011

Seitdem wir den Cape Range Nationalpark am 10. Oktober verlassen haben, ist einiges passiert. Jetzt gerade sitze ich am Murchinson River auf einer Farm kurz vor Kalbarri. Vielleicht bleiben wir hier einige Tage, wenn die Farmbesitzer noch Platz für ein paar freiwillige Helfer haben. Hier werden gerade Zäune für die Schaf- und Rinderherden aufgebaut und deshalb könnte es sein, dass Hilfe nötig wäre. Gerade weil die Deutschen hier einen sehr guten Ruf als fleißige Arbeiter haben. Franzosen gelten als faul und hungrig. Gute Karten für uns.
Kurz nach unserer Ankunft hier hat sich uns die erste Schlange gezeigt. Eine der etwas giftigeren. Die Brown Snake schlängelte sich gemütlich zwischen unseren Füßen hindurch und ließ sich durch nichts nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht als Roland mich mit einer leicht panischen Stimme gebeten mich schleunigst zu entfernen. Normalerweise verschwinden sie immer ganz schnell, wenn sie Vibrationen im Boden spüren, aber da es gerade Sommer wird, genießen sie die Wärme und scheinen etwas übermütig zu werden. Jetzt steht griffbereit ein großer Spaten, den wir von der Farm bekommen haben, neben dem Auto und wartet darauf der nächsten Schlange den Kopf abzuschlagen. Hört sich grausam an, aber sollen wir so machen. Okay......! Viel Spaß dann, Roland! Und vor einer Stunde ist eine weitere Schlange angekommen. Bis dahin waren wir mutterseelenallein auf dem wunderschönen und idyllisch gelegenen Campingplatz direkt am Fluss. Wir haben uns über die niedliche Küche gefreut, in der wir später lecker kochen möchten und die Ruhe genossen, die hier zwar nicht selten vorkommt, aber dafür immer wieder schön ist. Zu früh gefreut....sieben Autos, vollgestopft mit Asiaten, kamen auf uns zu und fuhren glücklicherweise ca. 100 Meter an uns vorbei, um dort ihr Lager aufzuschlagen. Gerade eben ist jeder Einzelne an mir vorbei gelaufen und mit viel Essen beladen Richtung Küche marschiert. Ich habe mitgezählt. Es waren 36. Dann gibt es heute wohl doch nichts zu essen. Die Küche ist auf jeden Fall gut gefüllt.

Hier hoppeln auch einige kleine Lämmer herum. Twitschy und Abbey. Total niedlich.
Eben haben wir noch einen kleinen Ausflug auf die andere Seite des Flusses gemacht. Der Weg führte über eine Brücke, die ziemlich morsch aussah. War sie auch. Aber wir sind trockenen Fußes auf die andere Seite gelangt. Eine wunderschöne sandige Uferlandschaft erwartete uns am anderen Ende Brücke. Roland versuchte wieder mal sein Glück einen Fisch zu fangen, aber wir werden wohl wieder vegetarisch essen (falls wir einen Platz in der Küche bekommen sollten). Auf dem Rückweg habe ich ein ziemlich großes Känguru gesehen. Ein „Red“. Die sind größer als die kleinen Bergkängurus und Wallabies und haben, wie der Name schon sagt, ein rotes Fell. Es war mindestens zwei Meter groß und könnte mich ohne Probleme krankenhausreif boxen. Roland ist etwas mutiger als ich und bleibt ohne Nachzudenken bis zur Dämmerung in unzivilisiertem Territorium. Ich bin, seitdem wir in Australien angekommen sind, zu einem richtigen Schisser mutiert. Sobald es dunkel wird, wittere ich überall Gefahren. Oder wenigstens Gründe, die zur Panik führen könnten. Spinnen kommen pünktlich zum Sonnenuntergang heraus und rotten sich zusammen um mir den Weg zurück zum Camp zu blockieren, und Riesenschlangen hängen von den Bäumen und lassen sich fallen, um naive Backpacker in einem Rutsch zu verschlingen. Ganz zu schweigen von dem wilden Bullen, der sich hier irgendwo herumtreibt. Also bleibe ich im Dunkeln lieber in der Nähe des Autos. Ah...die Chinesen machen Feuer. Dann ist die Küche vielleicht halbwegs leer. Ich checke das mal eben.

23. Oktober 2011

So. Wir haben ein neues zu Hause. Die nächste Woche werden wir hier auf der Farm bleiben und helfen neue Zäune für die Ziegen zu bauen. Mitten im Busch, harte Arbeit, gleißende Hitze und viele wilde und gefährliche Tiere. Jeden Morgen geht es mit dem Pick Up weit in das riesige Gelände hinein (eine Stunde Fahrt). Die Farm erstreckt sich auf ca. 70 Kilometer in der Länge und um etwa 40 Kilometer in der Breite. Recht groß also. Irgendwo rennt immer noch dieser wilde Bulle herum. Vorsicht ist also geboten. Er heißt Red und reagiert ziemlich stark auf rote Farben. Glücklicherweise ist das einzige Rote, das wir besitzen, eine 4 Liter Box Rotwein. Diese Kartons werden hier 'Goon' genannt. Ein Typ hat uns erzählt, das Wort komme von den Aborigines. In deren Sprache heiße 'Goon' übersetzt 'Kopfkissen'. Und da die Aborigines sehr viel und günstigen Alkohol bevorzugen, trinken sie teilweise einen ganzen Karton 'Goon'. Wenn sie danach zu müde und betrunken sind um nach Hause zu laufen (was sehr häufig vorkommt) dann blasen sie einfach den Beutel auf, in dem der Wein in dem Karton frischgehalten wird, und benutzen ihn als Kopfkissen. Logisch, oder? Wir haben es ausprobiert und es funktioniert. Gute Idee. Das wird garantiert noch viel öfter von Backpackern als von Aborigines in Anspruch genommen. Da gibt es nämlich auch einige Trunkenbolde.
Allerdings wurden wir vor kurzem eines besseren belehrt. Das Wort 'Goon' ist zwar auch ein Wort aus dem Wortschatz der Aborigines, allerdings bedeutet es soviel wie 'trinken' oder 'Platz, an dem man trinkt'. Aber der Lacher war auf Roland Seite, als er seine Geschichte mit dem Kopfkissen erzählt hat.

Wir haben ein kleines Zimmer bezogen, in dem normalerweise die Schafscherer unterkommen. Mit einem richtigen Bett. Das erste Bett seitdem wir vor fünf Monaten in Australien angekommen sind. Herrlich. Jetzt sitzen wir auf der überdachten Terasse und Roland klimpert auf der Ukulele. Direkt vor uns stehen einige Quads, die für Safaris bereit stehen. Auf der anderen Seite des Flusses liegen Kanus für Touristen, die damit den Fluss und den angrenzenden Nationalpark erkunden können.
Morgen geht’s auf die benachbarte Farm zu Reiten. Die zwei anderen Wwoofer (Willing Workers On Organic Farms), haben von der Chefin einen Reitausritt geschenkt bekommen, weil sie in letzter Zeit so gut gearbeitet haben. Ich komme einfach mal mit und schaue, ob ich irgendwie auch eine Chance auf einen kleinen Ritt bekommen.

Die kleinen Lämmchen laufen einem ständig zwischen den Beinen herum. Ein weißes Lämmchen hat gestern einen riesigen See im Wohnzimmer hinterlassen. Und wenn es hungrig ist, dann knabbert es einem immer am Ohrläppchen, wenn man es auf dem Arm hält. Total süß.
Gleich fahren wir nach Kalbarri und gucken uns das Städtchen an. Wir sind genau zum richtigen Zeitpunkt angekommen. Heute ist Sonntag und es wird nicht sehr hart gearbeitet. Aber ab morgen geht es rund. Hank, ein Holländer und weiterer Freiwilliger, hat mir eben geholfen passende Handschuhe und Stiefelgamaschen und eine alte Hose für die Arbeit im Busch zu finden, damit die Gefahr vom Gestrüpp und von den Insekten verletzt zu werden ein wenig gemildert wird. Roland hat glücklicherweise noch die Schutzkleidung von der Baustelle.

Anfang November:
Nach einer Woche auf der Farm sind wir wieder auf der Spur.

Als nächstes folgt alles, was seit Anfang November geschehen ist. Leider ist es nicht einfach sich nach einem harten Arbeitstag aufzuraffen und die Augen offen zu halten. Aber vielleicht regnet es morgen wieder und ich habe frei.

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