Samstag, 31. Dezember 2011

Blutige Weihnacht und ein frohes neues Jahr






HAPPY NEW YEAR!!!

Wir wünschen euch allen ein ganz fröhliches neues Jahr und einen guten Rutsch (gehabt zu haben).

Wir kochen gerade (im Moment nur Roland) und gerade habe ich unsere Lottozahlen gecheckt. Leider nicht das erhoffte Ergebnis, aber drei Richtige sind dabei. Leider hat ganz Australien gespielt und es bleibt nichts übrig für uns. Nächste Woche sind wir wieder dabei. Mittlerweile haben wir nämlich schon von einigen Leuten gehört, dass sie jemanden kennen, der sehr viel Geld beim Lotto spielen in Australien gewonnen hat.
Heute wird aber erstmal auf ein neues Jahr angestossen. Bei uns beginnt das Jahr 2012 schon in etwas mehr als vier Stunden. Wir haben heute sturmfrei und machen uns einen schönen Abend in Cowaramup. Wer hätte es gedacht...wir sind immer noch da. Mittlerweile glaubt hier niemand mehr daran, dass wir irgendwann die Kurve kriegen. Am Montag werden wir es beweisen. Müssen.
Dann ist es ist soweit...! Wir fahren weiter. Naja, noch sind wir nicht los. Es könnte also durchaus sein, dass wir noch bleiben. NEIN!!! Diesmal nicht. Eigentlich war unsere Abreise schon vor zwei Wochen geplant. Aber wenn wir eines gelernt haben auf unserem Trip, dann dass wir zwar Pläne machen können, aber es eigentlich immer anders läuft. Wir bleiben also noch bis Neujahr und fahren direkt nach Pemberton. Dort steht der Gloucester Tree, einer der höchsten Bäume der Welt und mit seinen 72 Metern der höchste Baum Western Australias. Er wurde damals dazu genutzt Feuer in der Umgebung zu orten und die Geschwindigkeit eines Buschfeuers im Notfall zu erkennen und schneller bekämpfen zu können.
Dort wollen wir auch hinauf. Im Schnitt schaffen es 20 Prozent aller Baumsteiger die in den Stamm gesteckten Metallstangen bis zum Gipfel zu erklimmen. Bekannte von uns haben schon mehrere Leute weinen gesehen, weil die Kräfte in den Beinen einfach nachgelassen haben und der Abstieg noch vor ihrnen lag. Selbst muskulöse Männer haben Probleme mit dem Auf- und Abstieg. Ich denke mal, dass ich es vielleicht nach oben schaffen werde, aber auf dem Weg baumab heulen werde. Roland wird es ohne heulen schaffen, aber am nächsten Tag tierischen Muskelkater haben.

Muskelkater hatten wir auch nach unserer ersten Trainingsstunde mit dem Stand Up Paddle Board (siehe Bild unten). Dabei wird jeder Muskel genutzt, um nicht vom Board zu fallen. Nach einigen Versuchen hatte ich den Dreh raus und konnte mich relativ entspannt mit dem Paddel in der Hand auf dem Wackeldackel halten. Roland hatte leichte Probleme und es wahr wahrscheinlich etwas schwerer für ihn als für mich. Vielleicht war das Brett ein wenig zu klein für ihn. Dafür hat er uns den schönsten Tanz des Jahres gezeigt, als er versucht hat nicht das Gleichgewicht zu verlieren und wie ein Stehaufmännchen auf dem Brett balancierte. Nach einigen Versuchen haben wir auch Roland länger auf dem Brett als im Wasser gesehen. Es ist wirklich nicht so einfach wie es aussieht, aber macht unglaublich viel Spaß. Am gleichen Tag hatten wir noch ein Surfbrett dabei und eine Windsurfausrüstung. Überall mal rauf gehüpft und ein wenig über das Wasser gefahren. Dabei immer ein kühles Bierchen in der Kühtruhe gehabt und genug zu Essen. Das ist ein typisches Wochenende für Australier. Spaß, Freunde, Wasser, Strand, Essen und  BIER!

Letztens dachte ich übrigens einen Hai im Wasser gesehen zu haben. Sah irgendwie komisch aus. Roland und ich waren gerade mit den Surfboards im Wasser und wurden von den Wellen veräppelt. Also eher ich. An dem Tag war die Kraft der Wellen unglaublich stark und ich wurde ein wenig hin- und hergeschüttelt. Und dann kam auch noch dazu, dass ich vielelicht diesen Hai gesehen habe. Roland bleibt immer ganz cool und sagt: „Ach...stell Dich nicht so an...da is nix.“ Blöd war nur, dass ich von der nächsten Welle richtig auf die Mütze bekommen habe. Das Knacken der Nase war laut und das Blut, das dann plötzlich mein Brett rot gefärbt hat, hat mich ganz leicht nervös gemacht. Blut + Hai = nicht sooooo toll. Also raus aus dem Wasser. Nachdem das Dröhnen im Jochbein, der Nase und im Kopf etwas abgeebbt war, bin ich wieder rein ins Wasser. Aber entspannt surfen geht anders. Nächste Welle, nächste Schikane. Die Leash (die Leine, mit der das Brett an meinem Bein festgebunden ist), hat sich um meinen kompletten Unterschenkel gewickelt und wurde mit der Kraft der nächsten Welle festgezurrt. Da das Brett leichter ist, wurde es natürlich sehr viel schneller von der Wucht erfasst. Okaaaaaayyy.....! Wieder Schmerzen. Aber zum Glück kein Blut. Trotzem, das war genug für einen 1. Weihnachtstag. Nächste Welle genommen und raus aus dem Höllenteich. Ich war froh noch zu leben und habe den Rest des Tages gelesen. Mittlerweile gleicht meine linke Wade einer Aubergine. Also die komplette (!) Wade, und mein Nasenbein darf nicht berührt werden. Der Bluterguss im Gesicht ist bisher noch nicht rausgekommen, aber das hat beim letzten Mal auch einige Tage gedauert. 

Trotzdem...uns geht es gut. Keine Sorgen, Wunden heilen hier ganz schnell. Ist auch eher interessant, wie sich der Körper in sehr kurzer Zeit farblich so verändern kann. Aber Arnika hat mal wieder bewiesen, wie toll Homöopathie funktioniert. 
Roland hatte an dem Tag noch ein paar sehr schöne Wellen und er wird immer besser. Richtig tolle Wellen hat er schon gehabt. 

So...nun macht es gut für dieses Jahr und genießt den Abend. Wir zünden für jeden zu Hause eine Wunderkerze an und hoffen, dass die Höhepunkte eures letzten Jahres die Tiefpunkte des neuen Jahres sein werden :)))

In diesem Sinne...PROOOOOOOOST, alles Liebe und bis zum nächsten Jahr...! Knuuuuutscha

Roland und Steffi



Roland gefällt Wellenreiten besser. Mit "meinem" Stand Up Paddle Board
kann man aber auch in die Wellen. 

Dienstag, 20. Dezember 2011

MERRY X-MAS AND A HAPPY NEW YEAR

11. Dezember 2011

Heute morgen haben wir eine riiiesige Abalone bekommen. Wer Abalone nicht kennt, der hat definitiv etwas verpasst. Es sind eine Art Schnecken, die in verschiedenen Arten vorkommen. In Strandnähe kann man, wenn man weiß, wo sie sich befinden, einige rote Abalones finden. Dazu benötigt man aber meist etwas Fachwissen und eine Schnorchelausrüstung. Eigentlich ist es verboten diese Schnecken zu fangen, wenn man keine Lizenz hat, aber die konten wir uns an einem Sonntag nicht so spontan besorgen. Verkaufen dieser teuren Tierchen ist völlig tabu. Nur, wenn man sich sich widerum eine andere Lizenz besorgt, die über eine 1.000.000 $ kostet, darf man verkaufen. Aber es lohnt sich. Allein unser Fund ist bestimmt einige hundert Dollar wert. Die Chinesen und andere Asiaten bezahlen, besonders für frische Abalone ein horrendes Geld. Eigentlich findet man solch große Exemplare nur in 10-20 Meter tiefem Wasser, aber diese eine hat wohl nicht aufgepasst oder wurde von einem Hai vertrieben. Dann wurde sie in die Hände eines Franzosen gespült, der aber keine Abalone mag. Ich hatte das Glück die erste Person zu sein, die er traf, also hat er sie mir geschenkt. Auch arme Schweine haben mal Glück. Und was für eines.  
Wir haben das Fleisch aus der Muschel getrennt und in einer Marinade eingelegt. Dann kurz angebraten und auf frischem Ciabatta mit Romano Käse überbacken. Das war unglaublich köstlich. Jeder, der einmal das Erlebnis dieses Essens haben darf, kann sich glücklich schätzen.
Wahrscheinlich fragt ihr euch jetzt, warum das denn so toll ist und wie man sich so über eine einzige Muschel freuen kann...keine Ahnung, aber hier tickt man eben ein wenig anders. Genauso gefreut haben wir uns, als wir eine seltene Snowcrab essen durften. Sauteuer aber wahnsinnig lecker. Der einzige Mensch in Western Australia, der die Lizenz zum fangen und verkaufen hat, ist der Onkel von Duane, bei dem wir in Port Kennedy gewohnt haben. Nicht viele bekommen die Chance dieses zarte Krebsfleisch zu essen, weil es in Restaurants einfach viel zu teuer ist.

Heute nachmittag waren wir mal wieder in einer Eiscremefabrik und haben es uns gut gehen lassen. Danach ein kleines Weintasting und später gab es ein dickes Stück Romano aus der Käsefabrik. Vorher haben wir noch schnell in der Olivenöl- und Seifenfabrik gehalten und alles probiert, was dort angeboten wurde. Herrlich!
Leider ist das Wochenende nun wieder vorbei und das Bett ruft, damit es morgen nicht allzu schwer wird um halb sechs aus den Federn zu kommen.


15. Dezember 2011

Herzlichen Glückwunsch, SONJA :)))
Es ist soweit...morgen habe ich den letzten Arbeitstag. Roland darf noch eine Woche länger buckeln. Aber ich werde alles tun, damit ich auch noch eine Woche länger arbeiten kann. Vielleicht bekomme ich etwas auf einem anderem Weingut. Hoffentlich! Und dann ist auch schon Weihnachten. Unglaublich, wie schnell die Zeit hier vergeht. Wir werden definitiv noch eine Woche in Margaret River bleiben und uns dann schleunigst vom Acker machen. Einige tausend Kilometer liegen noch vor uns, die wir in den nächsten vier Wochen zu bewältigen haben. Dazwischen liegen weitere Millionen Orte, die es wert sind einen kurzen oder längeren Stop einzulegen. Es wird knapp, aber irgendwie werden wir es schaffen. Es reicht nicht ein Jahr in Australien zu bleiben. Nicht, wenn man arbeiten muss um sich die Weiterfahrt zu verdienen. Alles ist teuer hier. Gerade gestern haben wir nur für unsere Unterkunft (Miete für einen Monat) und die KFZ-Steuer zusammen 1.000 $ bezahlt. Zwei Wochen Arbeit für mich. Das schockiert und zwingt einen dazu länger zu arbeiten.

Am Samstag haben wir beide frei und werden wieder die Vorzüge dieses schönen Fleckchen Erde genießen können.


21. Dezember 2011

So...bald ist Weihnachten. Wir wünschen unseren Familien, allen Freunden und Verwandten und Bekannten ein wundervolles und besinnliches Weihnachtsfest. Und wenn ihr Weihnachten überstanden habt, dann rutscht gut ins neue Jahr. Wir werden euch sehr vermissen. Besonders der Heilige Abend wird definitiv andres verlaufen als in Deutschland. Schnief....ich weiß nicht, wie oft ist das schon gesagt habe, aber Australien hat einfach NULL (!!!!!!!) Tradition. Zu viel Gebimmel und Trara an Weihnachten auch nicht besonders besinnlich auf die Dauer, aber so gar nichts...naja...dann werden wir werden an Weihnachten eben Krokodil essen. Aber am 26. gibt es Rouladen. Komme was da wolle.

Dann feiert mal alle ganz schön und Mami, bitte trinke nicht so viel Jägermeister. Gib Chrischi etwas davon ab und bei Papi immer schön den Whiskey nachgießen. Prost! Wir vermissen euch alle sehr...!!!!

Zur Feier des Tages noch einige Bilder.


Aussichtsplattform bei Denham

Zoom von der Plattform. Dort tummelte sich manch gefährliches Getier. Aber dies ist nur ein Reef Shark.

Diese possierlichen Tierchen heißen Bilbys und sind sooo niedlich....!!!

Sonnenuntergang an der 'Big Lagoon'

Selten dämlich die Emus. Kilometerweit rennen sie vor dem Wager her, anstatt zur Seite zu laufen.  

Es sieht harmlos aus, aber 5 Minuten später steckten wir bis zum Hals im Sand. 

Nur mit einer Geschwindigkeit, die schon an Fliegen grenzte kamen wir durch diesen wahnsinnig tiefen Sand. Und ganz viel Daumen drücken. 

Ein altes Windrad auf dem Grundstück eines Gehöfts.

'Shell Beach'. Der Strand bestand nur aus weißen Muscheln. Zum Glück war ich schon recht braun. 

Close Up

Das war der schone Sprudelpool, den wir nach unserem Ausflug im Francois Peron Nationpark ganz für uns allein hatten. Perfekt!




Der erste Pelikan in Port Kennedy.


Pink Lake

Fliegenalarm in Say Bay. Mindestens 300 um jeden Kopf. Schrecklich!

Fröhlich ist anders.

Super entspannend!

Perth. Ein Foto ohne Regen.

Wahnsinnig imposant! Und steil!

Karijini Nationalpark

Schön, oder?

NAch den Wanderungen gibt es meist eine wundervolle Abkühlung.

Natur pur.

Der 'Spider Walk'. Tollster Spaziergang ever.

Verbrannte Erde im Karijini NP

Picknick

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Kinder...pinkelt nie in Steckdosen!

Wir sind immer noch in Margaret River. Die Brände sind gelöscht und heute hat es ganz viel geregnet. Die Regierung hat scheiße gebaut und muss sie wieder auslöffeln. Ich arbeite seit 2,5 Wochen auf einem Weingut und werde wahrscheinlich nie Kinder bekommen können. Roland hat bis jetzt das Leben genossen, ist surfen gegangen und hat sich von seinem Heuschnupfen erholt. Roland hatte heute seinen zweiten Tag auf einer BAustelle und durfte den ganzen Tag saugen. Ich hatte frei, weil es stark geregnet hat und die Arbeit in den Weinbergen einfach zu schwer und zu dreckig ist, wenn alles trieft. 

Hinweis für jeden, der in kurzer Zeit viel Muskelmasse zulegen und Gewicht verlieren möchte: Arbeitet doch einfach mal auf einem Weingut, das eigentlich schon vor einem Monat die Drähte zum stabilisieren der Weinstöcke hochziehen hätte müssen. "Guten Tag...mein Name ist Arnold. Arnold Schwarzenegger." Schön, wenn die T-Shirts an den Schultern anfangen zu spannen und sich ein Waschbrett durch das Oberteil abzeichnet. Bringt einem aber auch nichts, wenn man bei sengender Hitze mit 50+ Sonnenschutzfaktor, Schlapphut, Boots und langen Klamotten zwischen den Reben steht und fast auf eine Tiger Snake getreten wäre. Die sind selten und aber nicht selten tödlich. Muskeln helfen da nicht. Meine Kollegin und ich haben uns schnellstens vom Acker gemacht. Bis jetzt ist sie nicht wieder aufgetaucht. TOLL!!! Die leben dort und wir fuchteln mit den Händen im undurchdringlichen Gestrüpp herum. Spinnen gibt es dort Millionen. Aber da die Arbeit so unglaublich hart ist, habe ich einfach aufgehört mich zu ängstigen. Ich würde sie nicht mit ins Bett nehmen, aber selbst die größeren Exemplare gehören einfach dazu. Und das allerbeste sind die Christmas Spider. Wahnsinnig süße Spinnen, von denen ich mir wirklich ein Risenkuscheltier wünschen würde. So wie die, die es auf dem Freimarkt bei den Losbuden gibt. Viel besser als das ganze Gelumps dort. Googelt die mal. Süüüüüß...mit Stacheln auf dem Rücken. 

Wir machen jetzt ein leckeres Thai-Curry aus einem riesigen Stück Beef Scotch Filet. Wir haben nämlich eine Küche, einen Kühlschrank, ein Bett und eine Dusche. Muss man ja immer wieder betonen. 

Hier noch ein kleiner Rückblick auf unsere Zeit auf einer typisch australischen Farm. Bilder gibt es tausende, aber leider ist unser Guthaben mal wieder fast am Ende und das Hochladen von Fotos würde gerade den Rahmen sprengen. Ich werde aber versuchen in den nächsten Tagen in ein Internetcafé zu kommen und von dort die Laderei starten. Wir haben nämlich wirklich einige sehr sehr schöne Aufnahmen. Bis denn dann und eine wunderschöne Adventszeit wünsche ich Euch. Hier wird übrigens Weihnachtsmusik im Supermarkt gespielt. Draußen herrscht einen Bullenhitze und drinnen laufen Verkäufer mit Elchhaarreifen rum. Sehr seltsam. Die Weihnachtsstimmung läuft hier gen Null. Gerade wurden wir zu einer Weihnachtsparty am Strand eingeladen...mit dem Hinweis bitte die Badesachen nicht zu vergessen. Ich hätte nichts gegen eine Feuerzangenbowle mit allen lieben Leuten dieser Welt einzuwenden. Am liebsten an dem Stand, an dem Sonja im letzten Jahr den riesigen Kessel geputzt hat :))) Sonja, Andrea, Jens...trinkt bidde eine für mich mit. Danke. Ihr fehlt mir.... 
 
Wahrscheinlich werden wir Weihnachten in Tasmanien sein. Aber vielleicht auch nicht. Irgendwie ändern sich unsere Pläne jede Woche. Auf jeden Fall wird es warm sein. 


Rückblick:

21. Oktober 2011

Seitdem wir den Cape Range Nationalpark am 10. Oktober verlassen haben, ist einiges passiert. Jetzt gerade sitze ich am Murchinson River auf einer Farm kurz vor Kalbarri. Vielleicht bleiben wir hier einige Tage, wenn die Farmbesitzer noch Platz für ein paar freiwillige Helfer haben. Hier werden gerade Zäune für die Schaf- und Rinderherden aufgebaut und deshalb könnte es sein, dass Hilfe nötig wäre. Gerade weil die Deutschen hier einen sehr guten Ruf als fleißige Arbeiter haben. Franzosen gelten als faul und hungrig. Gute Karten für uns.
Kurz nach unserer Ankunft hier hat sich uns die erste Schlange gezeigt. Eine der etwas giftigeren. Die Brown Snake schlängelte sich gemütlich zwischen unseren Füßen hindurch und ließ sich durch nichts nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht als Roland mich mit einer leicht panischen Stimme gebeten mich schleunigst zu entfernen. Normalerweise verschwinden sie immer ganz schnell, wenn sie Vibrationen im Boden spüren, aber da es gerade Sommer wird, genießen sie die Wärme und scheinen etwas übermütig zu werden. Jetzt steht griffbereit ein großer Spaten, den wir von der Farm bekommen haben, neben dem Auto und wartet darauf der nächsten Schlange den Kopf abzuschlagen. Hört sich grausam an, aber sollen wir so machen. Okay......! Viel Spaß dann, Roland! Und vor einer Stunde ist eine weitere Schlange angekommen. Bis dahin waren wir mutterseelenallein auf dem wunderschönen und idyllisch gelegenen Campingplatz direkt am Fluss. Wir haben uns über die niedliche Küche gefreut, in der wir später lecker kochen möchten und die Ruhe genossen, die hier zwar nicht selten vorkommt, aber dafür immer wieder schön ist. Zu früh gefreut....sieben Autos, vollgestopft mit Asiaten, kamen auf uns zu und fuhren glücklicherweise ca. 100 Meter an uns vorbei, um dort ihr Lager aufzuschlagen. Gerade eben ist jeder Einzelne an mir vorbei gelaufen und mit viel Essen beladen Richtung Küche marschiert. Ich habe mitgezählt. Es waren 36. Dann gibt es heute wohl doch nichts zu essen. Die Küche ist auf jeden Fall gut gefüllt.

Hier hoppeln auch einige kleine Lämmer herum. Twitschy und Abbey. Total niedlich.
Eben haben wir noch einen kleinen Ausflug auf die andere Seite des Flusses gemacht. Der Weg führte über eine Brücke, die ziemlich morsch aussah. War sie auch. Aber wir sind trockenen Fußes auf die andere Seite gelangt. Eine wunderschöne sandige Uferlandschaft erwartete uns am anderen Ende Brücke. Roland versuchte wieder mal sein Glück einen Fisch zu fangen, aber wir werden wohl wieder vegetarisch essen (falls wir einen Platz in der Küche bekommen sollten). Auf dem Rückweg habe ich ein ziemlich großes Känguru gesehen. Ein „Red“. Die sind größer als die kleinen Bergkängurus und Wallabies und haben, wie der Name schon sagt, ein rotes Fell. Es war mindestens zwei Meter groß und könnte mich ohne Probleme krankenhausreif boxen. Roland ist etwas mutiger als ich und bleibt ohne Nachzudenken bis zur Dämmerung in unzivilisiertem Territorium. Ich bin, seitdem wir in Australien angekommen sind, zu einem richtigen Schisser mutiert. Sobald es dunkel wird, wittere ich überall Gefahren. Oder wenigstens Gründe, die zur Panik führen könnten. Spinnen kommen pünktlich zum Sonnenuntergang heraus und rotten sich zusammen um mir den Weg zurück zum Camp zu blockieren, und Riesenschlangen hängen von den Bäumen und lassen sich fallen, um naive Backpacker in einem Rutsch zu verschlingen. Ganz zu schweigen von dem wilden Bullen, der sich hier irgendwo herumtreibt. Also bleibe ich im Dunkeln lieber in der Nähe des Autos. Ah...die Chinesen machen Feuer. Dann ist die Küche vielleicht halbwegs leer. Ich checke das mal eben.

23. Oktober 2011

So. Wir haben ein neues zu Hause. Die nächste Woche werden wir hier auf der Farm bleiben und helfen neue Zäune für die Ziegen zu bauen. Mitten im Busch, harte Arbeit, gleißende Hitze und viele wilde und gefährliche Tiere. Jeden Morgen geht es mit dem Pick Up weit in das riesige Gelände hinein (eine Stunde Fahrt). Die Farm erstreckt sich auf ca. 70 Kilometer in der Länge und um etwa 40 Kilometer in der Breite. Recht groß also. Irgendwo rennt immer noch dieser wilde Bulle herum. Vorsicht ist also geboten. Er heißt Red und reagiert ziemlich stark auf rote Farben. Glücklicherweise ist das einzige Rote, das wir besitzen, eine 4 Liter Box Rotwein. Diese Kartons werden hier 'Goon' genannt. Ein Typ hat uns erzählt, das Wort komme von den Aborigines. In deren Sprache heiße 'Goon' übersetzt 'Kopfkissen'. Und da die Aborigines sehr viel und günstigen Alkohol bevorzugen, trinken sie teilweise einen ganzen Karton 'Goon'. Wenn sie danach zu müde und betrunken sind um nach Hause zu laufen (was sehr häufig vorkommt) dann blasen sie einfach den Beutel auf, in dem der Wein in dem Karton frischgehalten wird, und benutzen ihn als Kopfkissen. Logisch, oder? Wir haben es ausprobiert und es funktioniert. Gute Idee. Das wird garantiert noch viel öfter von Backpackern als von Aborigines in Anspruch genommen. Da gibt es nämlich auch einige Trunkenbolde.
Allerdings wurden wir vor kurzem eines besseren belehrt. Das Wort 'Goon' ist zwar auch ein Wort aus dem Wortschatz der Aborigines, allerdings bedeutet es soviel wie 'trinken' oder 'Platz, an dem man trinkt'. Aber der Lacher war auf Roland Seite, als er seine Geschichte mit dem Kopfkissen erzählt hat.

Wir haben ein kleines Zimmer bezogen, in dem normalerweise die Schafscherer unterkommen. Mit einem richtigen Bett. Das erste Bett seitdem wir vor fünf Monaten in Australien angekommen sind. Herrlich. Jetzt sitzen wir auf der überdachten Terasse und Roland klimpert auf der Ukulele. Direkt vor uns stehen einige Quads, die für Safaris bereit stehen. Auf der anderen Seite des Flusses liegen Kanus für Touristen, die damit den Fluss und den angrenzenden Nationalpark erkunden können.
Morgen geht’s auf die benachbarte Farm zu Reiten. Die zwei anderen Wwoofer (Willing Workers On Organic Farms), haben von der Chefin einen Reitausritt geschenkt bekommen, weil sie in letzter Zeit so gut gearbeitet haben. Ich komme einfach mal mit und schaue, ob ich irgendwie auch eine Chance auf einen kleinen Ritt bekommen.

Die kleinen Lämmchen laufen einem ständig zwischen den Beinen herum. Ein weißes Lämmchen hat gestern einen riesigen See im Wohnzimmer hinterlassen. Und wenn es hungrig ist, dann knabbert es einem immer am Ohrläppchen, wenn man es auf dem Arm hält. Total süß.
Gleich fahren wir nach Kalbarri und gucken uns das Städtchen an. Wir sind genau zum richtigen Zeitpunkt angekommen. Heute ist Sonntag und es wird nicht sehr hart gearbeitet. Aber ab morgen geht es rund. Hank, ein Holländer und weiterer Freiwilliger, hat mir eben geholfen passende Handschuhe und Stiefelgamaschen und eine alte Hose für die Arbeit im Busch zu finden, damit die Gefahr vom Gestrüpp und von den Insekten verletzt zu werden ein wenig gemildert wird. Roland hat glücklicherweise noch die Schutzkleidung von der Baustelle.

Anfang November:
Nach einer Woche auf der Farm sind wir wieder auf der Spur.

Als nächstes folgt alles, was seit Anfang November geschehen ist. Leider ist es nicht einfach sich nach einem harten Arbeitstag aufzuraffen und die Augen offen zu halten. Aber vielleicht regnet es morgen wieder und ich habe frei.