Mittwoch, 9. November 2011

Es geht weiter...

So...lang ist es her. Ich habe den Blog weiter geschrieben, aber leider hatten wir kaum Möglichkeiten ins Internet zu kommen. Heute haben wir den 7. November. So langsam werde ich jetzt unsere Reiseberichte der Reihenfolge nach hier einstellen. 


24. September 2011


Wir haben es endlich geschafft und durften Broome verlassen. Nach ganzen drei Monaten sind wir nun endlich wieder unterwegs. Die letzten beiden Nächte haben wir in Port Smith verbracht. Das ist ein Caravan Park nur 140 Km südlich von Broome. Da wir am Tag unserer Abfahrt noch sehr viel erledigen mussten, sind wir sehr spät los gekommen und waren froh, dass unser nächstes Ziel nur einen Katzensprung entfernt lag. Wir wollten einfach nur irgendwo ausatmen und relaxen. Die vergangenen Tage hatten es in sich und wir waren einfach nur ausgelaugt, müde und kaputt. 

Es war kaum fassbar als wir endlich im Auto saßen und wirklich alles geschafft hatten. Die Freiheit war da, man konnte es fühlen. Die Straße hatte uns wieder.

Als wir in Port Smith Lagoon ankamen, hatten wir die kompletten unpowered sites, also die Plätze ohne Stromanschluss, für uns und konnten uns einen tollen Platz unter Bäumen aussuchen. Kaum waren wir ausgestiegen, wurden wir von einem riesigen Schwarm Sandfliegen angegriffen. Die Stiche hielten ca. eine Woche und juckten sehr viel stärker als alles andere auf dieser Welt. Sieben Nächte mit sehr wenig Schlaf waren wirklich ein Krampf. Als Entschädigung haben wir am nächsten Morgen mit Kängurus gefrühstückt und sind danach in eine traumhafte Lagune gefahren, in der wir unsere ersten Schildkröten, Rochen und Krebse gesehen haben. 








Soooo süß...das Kleine hat mir aus der Hand gefressen.




Eine gewisse Ähnlichkeit ist vorhanden...!!!



Keine Fische gefangen, aber dafür gab es Schildkröten und Rochen.


Gar nicht mal so einfach mit der Handleine.


Sprit alle. Aber wir sind gewappnet. 



Im Moment fahren wir auf dem Northern Highway Richtung Süden. Die nächste Station ist South Hedland, eine kleine „Mining Town“, die laut Erzählunen, nicht zum Verweilen einlädt. Wir wollen aber eh nur unsere Vorräte auffüllen und dann auf dem schnellsten Weg Richtung „Karijini National Park“ fahren.

Doch gerade jetzt kommt es mir so vor als wenn wir im Schneckentempo vorankommen.

Die Straße nimmt kein Ende und es ist unbeschreiblich heiß. Der Wind, der durch die Fenster weht, kann es locker mit der heißesten Stufe meines Föhns zu Hause aufnehmen. Und die ist HEISS!!! Der Asphalt wirkt flüssig und die uns entgegenkommenden monströsen Roadtrucks scheinen auf der Oberfläche zu schwimmen. Alle halbe Stunde hebt Roland seinen Zeigefinger vom Lenkrad um den Gruß eines Fahrers auf der Gegenspur zu erwidern. Man sieht nicht sehr viele Fahrzeuge hier. Die Hitze im Wagen wird noch durch den kochenden Motor, der heiße Luft in den Fußraum bläst, verstärkt und einen Angriff auf unsere Kühlbox vollzieht. Es ist nicht mehr die alte schraddelige Box, die uns bis Broome begleitet hat, sondern eine 115 $ Box mit sehr dicken Wänden und einem gummierten Deckel, damit die Kälte nicht so schnell entweichen kann. Wir sind gespannt wie sich der Neue macht. Die angepriesenen 5 Tage Kühlzeit wird er unter diesen Bedingungen allerdings nicht erreichen. Aber je weiter wir Richtung Süden reisen umso kühler wird es hoffentlich auch. Wenigstens ein bisschen. Im Schatten knapp 40 Grad ist zu viel des guten.



Nun sind wir mehrere hundert Kilometer von Broome entfernt und haben eine kleine Rast im „Sandfire Roadhouse“ eingelegt Gerade als wir weiter fahren wollten kam mir eine bekannt Gestalt entgegen. Klein und sehr sehr rund. Das musste Dirk Bach sein. Allerdings trug er Motorradklamotten. Dann blieb nur noch Ken. Der Freund meiner Putzkollegin in der „Vacation Village“, dem Caravan Park in Broome. Es war Ken. Australien ist soooo groß, aber doch soooo klein. Ständig treffen wir bekannte Gesichter wieder. Ken erzählte uns, dass er mal eben schnell mit „Lucy“, seiner Harley, nach Karratha runter balllert um seinen Caravan zu verkaufen, ein anderes Motorrad aufzumöbeln und ein paar Bierchen mit seinen alten Kollegen verhaften will. Mal eben ist gut....aber die ticken einfach anders hier. Er ist schon seit 25 Jahren mit seiner Harley in Western Australia unterwegs und kennt fast jede Straße, jede Dirt Road und jede noch so kleine Stadt. Gemessen an der Größe dieses Staates ist das eine sehr respektable Leistung. Unsere Karte ist mittlerweile auch gespickt mit kleinen Kreuzen, Markierungen, Zeichen und unleserlichen Dingen, die Ken eingezeichnet hat.Wir müssen nur noch herausfinden, welche Kreuze für „gute Campspots“, welche für „teure Tankstelle“ und welche einfach für einen tollen Ort stehen. Überraschung.

Gestern wurde uns klar, dass wir nur noch sehr wenig Zeit für unsere geplante Route haben. Wir waren einfach zu lange auf Bali und in Broome. Nicht zu lange, aber eben sehr lange. Weihnachten wollen wir wahrscheinlich bei Sam und Tanja in Melbourne verbringen. Deren Familien bieten sich an, uns eine Ersatzfamilie über die Festtage zu spielen. Tanjas Mutter ist Deutsche und freut sich schon darauf mit uns deutsche Weihnachtslieder zu singen. Helau!!! Das wird sich schlagartig ändern, wenn wir anfangen unter dem Weihnachtsbaum zu trällern. Nicht ohne Grund halten wir uns sonst mit unserem Gesang sehr im Hintergrund. Heilig Abend feiern wir, glaube ich bei Tanjas Eltern, dann geht’s zu Sams Eltern, die in einem Nationalpark wohnen und dann irgendwo an die „Great Ocean Road“. Hört sich ziemlich gut an für ein Weihnachten außerhalb Bremens. Und warm. Das wird das erste Weihnachten in Flip Flops.

Aber bis dahin haben wir noch unglaublich viel auf unserer Liste.






28. Oktober 2011


Das waren ein paar herrliche Tage. Nachdem wir in South Hedland unsere Vorräte und Eis erneuert und getankt haben, fanden wir eine Cattle Station, nicht weit entfernt vom Highway, auf der wir die Nacht verbringen konnten. Indee Station ist eine arbeitende Rinderfarm, die, wie viele andere Farmen, Reisenden für wenig Geld eine Unterkunft auf dem großen Hofgelände bietet. Dort gab es Duschen, Toiletten, eine Küche mit Kühlschrank und Gefriertruhe (!!!) und einen Schattenplatz mit Picknickplatz für uns. Perfekt. Nur die Riesenspinne, die plötzlich neben mir saß war nicht so toll. Sie ließ sich auch nicht vertreiben und war nach Rolands ersten Versuch sie in den Busch zu verbannen kurze Zeit später schön wieder gefährlich nahe an meinen Beinen. Es dauerte recht lange bis er sie endlich so weit von unserem Platz fort getrieben hatte, dass wir für längere Zeit unsere Ruhe hatten. Es tut mir auch wirklich leid, dass es bei eine ganz leicht Panik auslöst, wenn plötzlich so ein Riesenvieh an unserem Essenskörbchen hängt, aber so ist das nun einmal. Klein und ohne Haare ist ja okay, aber groß und haarig, oder auch keine Haare, das muss nicht sein. Vor allem kann man den Abend nicht genießen, wenn der Blick mit der Kopflampe auf der Stirn pausenlos gehetzt umherschweift und man nach Störenfrieden Ausschau hält. Um die Sterne besser zu sehen muss es zu meinem Unwohlsein dunkel sein. Das bedeutet, Lampe aus und ruhig sein. Haha...dann kommen die Tierchen ja noch eher in unsere Richtung. Schlangen verschwinden hier relativ schnell, wenn sie Vibrationen in der Erde spüren, Spinnen mögen Licht nicht so gerne. Also ist es das Beste die ganze Zeit mit Lampe auf dem Kopf hin und her zu laufen. Über den Punkt bin ich allerdings schon länger hinweg. Man gewöhnt sich an alles. Auch an Spinnen. Mittlerweile machen nur die großen und haarigen Stress. Die Nacht haben wir gut überstanden und sind am nächsten Tag vor unserer Weiterreise noch zum „Red Rock“ gefahren. Ein paar Kilometer Dirt Road in das karge Hinterland. Der rote Berg steht inmitten flacher Landschaft. Dort angekommen, kraxelten wir die steilen Wände empor und konnten unsere ersten Aborigines Zeichnungen sehen. Sie sahen aus wie ziemlich große Urzeitwanzen. Vielleicht gab es solche großen Insekten wirklich damals. Und wenn nicht hier, wo dann?

Dann wurde es Zeit und wir mussten uns sputen um rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang im Karijini Nationalpark anzukommen.




Schade, dass Insekten auf Fotos meist nicht so furchterregend wirken. Aber sie war es wirklich!


Spinnenentfernkommando voran! Danke :)


Schnappschuss aus dem Fenster. War aber der Berg neben dem 'Red Rock'





Das waren die ersten Tage nach unserer Abfahrt aus Broome. Ich taste mich langsam heran. Seit drei Tagen sind wir in Port Kennedy bei Freunden von Freunden. Sehr praktisch. Der Winter ist spontan zurück gekommen und wir sind froh über ein Dach und ein BETT (!!!!!!!!!!) und Strom, eine Küche, Dusche, Tisch und alles andere. Vielen Dank an Ryan, Duane und Lisa! Die beiden Hunde machen nur Quatsch und die Katze ist verrückt. Gestern morgen hat sie versucht mit Gewalt in unser Zimmer zu kommen. Rammen und an die Klinke springen hat aber nix genützt. Später stand sie aufrecht am Küchenfenster und hat Roland erschreckt. 



Kennt eigentlich jemand Schniedelfische? Wenn nicht, dann merke: Nie in unbekannte Gewässer pinkeln! Es gibt später auch eine Geschichte dazu. 

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