Samstag, 23. April 2011

Residieren wie die Könige...nur viel heißer!

    20. April, Amed

Jeder Traum ist einmal zu Ende. So auch unser Traum vom entspannten Leben in den Bergen, fernab von hektischen Strandverkäufern, knatternden Rollern und stinkenden LKW. Schweren Herzens haben wir die schillernde Tropenwelt, umgeben von Wasserfällen, dichten Palmenwäldern und unzähligen wunderschönen Tieren, verlassen. So und nicht anders wird sich, glaube ich, gemeinhin das Paradies vorgestellt. Ein bezaubernd angelegter Palmengarten, zwischendrin angelegte Seerosenteiche, in denen man von einer verschlungenen Brücke Miniaturfische beobachten konnte. Direkt daneben das eigene Bambushäuschen, gebaut auf Stelzen. Eine kleine Treppe führte direkt in den Eingangsbereich. Dort befand sich ein sehr komfortabler Waschbereich, der durch eine schwere Holzschiebetür mit der Dusche verbunden war. Neben der überdachten Toilette gab es einen mit Steinen gefliesten Bereich, der nur von einem Moskitonetz überspannt war und in dem man eine heiße oder kalte Dusche genießen konnte, während draußen der Mond oder die Sonne schien. Das Highlight unseres Schmuckstückes war jedoch das Schlafzimmer. Komplett ausgelegt mit den Füßen schmeichelnden Strohmatten, stand in der Mitte ein riesiges dunkelbraunes Himmelbett mit weißen blütenbestickten Gardinen. Eigentlich eine Honeymoonsuite, aber wir nahmen sie auch so. Vom Schlafzimmer musste man nur eine detailverliebte mit Scnitzerein verzierte schwere Flügelholztür öffnen und hatte einen unglaublich tollen Blick auf ein phantastisches Bergpanorama und den Wasserfall von Munduk. Abends saßen wir eingekuschelt auf den zwei Ohrensesseln, die den Balkon zu einem perfekten Faulenzerplatz machten, und genossen die Stille, in der nur das Zirpen der Grillen zu hören war. Eine wunderbare Zeit, die wir in vollen Zügen genossen. Einen großen Anteil daran hatten auch die Angestellten, die, wie alle Menschen in den Bergen, eine wunderbaren Job machen und einfach wahnsinnig liebe und nette Leute sind.
Vielen Dank liebes Hotel Lumbung Bali.

Leider funktionierte die Kreditkarte nicht und wir mussten unsere letzten Euro zusammensuchen, um die recht beachtlichen Kosten zu decken.

Unsere nächste Station war ein Kaffeehaus direkt an einem Wasserfall in der Nähe. Dort sollte eco-Kaffee angeoten werden, der direkt von den ansässigen Kaffeplantagen gepflückt wurde. Also wieder rein ins Auto und bergauf. Der Fußmarsch zu dem kleinen Café wurde mit 498 m ausgeschrieben. Diese Angabe geht aber bestimmt mal wieder von der Luftlinie aus. Es ging hoch und runter, rechts und links, durch Schlammpfützen und an kleinen Wasserläufen vorbei. Aber immer, wenn man denkt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein kleines Lichtlein her. Diesmal in Form eines tosenden Wasserfalls und einem studierten Ingenieur, der anstatt in der Großstadt zu arbeiten, lieber wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrte,und seinen Traum vom Leben verwirklichte und das Wasserfallcafé errichtete. Der Kaffee war eine Wucht und die Pancakes, gefüllt mit Palmzucker und Kokosraspeln eine wahre Gaumenfreude. Im Zusammenspiel mit dem sprudelnden Wasserfall, der nur wenige Meter weiter aus der Felswand brach, ein unvergesslicher und beeindruckender Moment. Das muss man gesehen haben! Pünktlich zum nächsten Regenguss bestiegen wir unser Auto und ließen langsam die Berge hinter hinter uns, um uns wieder der Küste zu widmen.

Es wurde heißer und heißer, je näher wir dem Flachland kamen. Immer weiter gen Osten wurden die Straßen leerer und angenhmer zu befahren. In Singaraja, der größten Stadt in Nordbali entdeckten wir sogar einen Carefour, der sofort gestürmt wurde. Klimaanlage, KÄSE (!!), Brot (!!!) und andere Schweinereien wurden ins Körbchen geladen. Brot und Käse gibt es hier eigentlich so gut wie gar nicht. Nur zum Frühstück bekommt man zwei Scheiben Toast serviert. Auf die Butter sollte man jedoch verzichten, weil die Kombination aus pflanzlichen Fetten und Butter-Flavour leider zu einem sehr unliebsamen und ziemlich schlechten Ergebnis führt.

Nach einer Weiterfahrt von einer Stunde fanden wir endlich das ersehnte Stückchen Erde, das nicht verdreckt war und an dem man nicht vom nächsten LKW überrumpelt worden wäre. Ein kleiner Warung direkt am Meer mit kleinen überdachten Picknickplätzen, gebaut auf Stelzen. Für Roland gab es Nudeln und ich konnte mich dem Brot mit schwarzem Reis, dem Schmelzkäse der glücklichen Kuh und dem Australischen Camembert widmen. Ein Festessen...!!! Wir waren beide komplett fertig. Das Fahren nimmt die Psyche immer noch sehr in Anspruch, weil man nie weiß, was sich hinter nächsten Kurve befindet, und ob man den nächsten Angriff der Kampfscooter heil überlebt. Außerdem wurde es schon wieder bald dunkel und wir hatten mal wieder keine Vorbereitungen für die die nächste Übernachtung getroffen. Nach einem überragenden Sonnenuntergang in unserem Rücken, kamen wir zufällig nach Amed, einem kleinen Dorf, das unter Holländern, Franzosen und Deutschen als Tauchparadies gilt. Alles etwas teurer und luxuriöser. So auch unsere erwählte Unterkunft am Rand von Amed. Mehr Luxus geht, glaube ich kaum. Wir haben eine komplette Strandvilla für uns allein. Die Luxusunterkunft beherbergt insgesamt vier Zimmer, alle ausgestattet mit Klimaanlage, einem riesigen Schlafzimmer mit Oversize-Bed, einem Badezimmer mit schwarzem Marmor an der Duschwand und kleinen Kieselsteinchen am Boden. Es gibt mehr als ausreichend weiße Handtücher, Toilettenpapier, Spiegel und eine Toilette, wie wir sie kennen. Ach ja...einen begehbaren Kleiderschrank, Blick auf den Pool und das Meer haben wir auch. Da wir zur Zeit allein diese Villa bewohnen, können wir das erste Mal ungestört die Sonne genießen, zwischendurch baden oder Billard spielen. Ich denke wir bleiben noch eine Nacht. Roland gewöhnt sich langsam an diese Art zu Leben und würde gerne verlängern. Eigentlich übersteigt es unser Budget, aber für westliche Verhältnisse ist der Preis unschlagbar. Gerade mal 22 Euro bezahlen wir zusammen pro Nacht. Der Poolbereich ist zum Glück vom Strand abgeschlossen, aber trotzdem hingen eben schon wieder zwei kleine Mädchen über dem Zaun und wollten uns Salz verkaufen. Boah...echt anstrengend und immer wieder schrecklich, wenn man ablehnen muss, weil wir wirklich nicht alles kaufen können. Oh nein...da kommen schon wieder zwei und luken über die Mauer. Ich habe hier gerade nen schlechten Platz gewählt. Sah schön schattig aus genau neben der Mauer. Sonne ist tabu hier. Besonders um die Mittagszeit. Wir befinden uns eigentlich immer im Auto, im Schatten oder im Zimmer und sind auch noch dementsprechend blass. Wenn es die Temperaturen zuließen in die Sonne zu gehen, dann hat es meist angefangen zu regnen. Also wird heute mal ein bisschen Vollgas gegeben, damit wir endlich nicht mehr aussehen wie Vampire zwischen diesen maronenbraunen Einheimischen und vielleicht auch nicht mehr ganz so enorm herausstechen und nach Frischfleisch aussehen. Ah...die Kleinen gehen wieder. Wollten nur kurz „Hallo“ sagen. Süß. Roland aalt sich gerade auf der schattigen Terasse auf einem Rattansofa, und ich werde jetzt eine Abkühlung im Pool nehmen.

Auf bald...

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