23. April, Uluwatu
„Crazy Shit“ würde man wohl in der Surfersprache zu diesem Ort hier sagen. Hier kommt jeder auf seine Kosten, der sich nicht mehr zu den Anfängern des Wellenreitens zählt.
Die Sonne scheint, das Wasser schimmert türkisblau und die Wellen überschlagen sich haushoch. Direkt in die Felsen sind kleine Cafés, Restaurants und Boardshops gebaut und der Blick auf die stetig ankommenden Wellen ist von fast jedem Ort ungebrochen. Roland dümpelt irgendwo mehrere hundert Meter im Wasser und versucht jede noch so große Welle anzupaddeln. Nach meiner Begegnung mit dem Hochhaus vor einigen Tagen, konzentriere ich mich lieber auf Wellen von der Größe einer Hundehütte. Das muss für einen Anfänger reichen. Außerdem ist es hier so unglaublich voll im Wasser, dass man immer aufpassen muss, dass man nicht von einer scharfen Finne geköpft wird. Heute Morgen um 11 Uhr haben wir ca. 60 Freaks im Wasser gezählt. Und das sind noch wenige. Überall um mich herum sitzen gut gebaute Menschen (Männer UND Frauen) und erholen sich von einem anstrengenden Ritt oder hoffen, dass der Partner wohlbehalten aus einer der nahenden Schaumwalzen auftaucht und nicht von dem Riff, das hier sehr präsent ist und auf unerfahrene und, aber auch geübte Surfer lauert, zerschmettert wird. Oh, da fährt er wieder...unverkennbar in weißer Kleidung und dem hellen, vor weißer Sonnencreme strahlendem Kopf. Unabdingbar hier. Es ist wieder die reinste Brutstätte. Keine Minute in der Sonne, ohne dass der Schweiß in Sturzbächen den kompletten Körper herunterrinnt. Die einzige Möglichkeit ist, sich ein schattiges Plätzchen zu suchen, keinen Muskel zu bewegen und sich eine eiskalte Coke zu bestellen um wieder denken zu können und den Zucker- und Flüssigkeitshaushalt irgendwie wieder herzustellen. Ich sitze jetzt schon über eine halbe Stunde im Schatten, nuckel an einer sparkling-black-soul (richtig, oder Christian?) und ganz ganz langsam stellt sich der Schweißfluß ein. Nein, nicht ein, aber es wird weniger. Das Wasser ruft so laut, aber keine Chance. Die Wellen würden mich zermalmen. Alles Cracks hier über, unter und neben mir. Ich tue einfach so, als gehöre ich dazu. Ist ja auch so. Vielleicht können die braungebrannten muskelgestählten Typen auch nur auf Ponys reiten. Ich komme auch mit großen Pferden klar. Trotzdem würde jeder, der schon mal einen Ritt auf einem Pferd überstanden hat, sagen, dass er reiten können. Fände ich auch okay.
Gestern waren wir in Padang Padang und Impossibles. Eher meine Liga. Roland und ich waren abwechselnd im Wasser und hatten das Glück, dass die Brandung nicht die stärkste war. Anfangs hatte ich trotzdem großen Respekt, weil ich umringt war von Surfschülern, die ihre ersten Grünwasserwellen anpaddeln wollten. Zwischendrin noch ein paar skrupellose Japaner, ausgestattet mit Helm, Flossen und Bodyboard. Trotzdem war es herrlich, die ersten Versuche schlugen fehl, aber als ich wieder das Gefühl der Wellenbewegungen und immer vertrauter mit Brett wurde, konnte ich meine ersten Erfolge verzeichnen. Diemal nicht nurgeradeaus, sondern endlich auf der grünen Welle parallel zum Wellenkamm richtig gleiten. Wahnsinnig tolles Gefühl, wie die Welle das Brett einfach trägt und der Stand auf dem Brett einigermaßen sicher scheint. Ich war glücklich und überlief wieder Roland mein Brett. Während es die obligatorische Coca Cola gab, hatte ich das Vergnügen die Japaner zu beobachten, die zu hunderten den Ministrand stürmten und Fotos von allem schossen, das für unsere Augen zwar schön und interessant ist, aber unbedingt in jede Sammlung japanischer Touristen gehört. Selbst mich haben die fotografiert. Ich kam mir vor wie im Zoo. Wahrscheinlich konnte man anhand meines Karmas das Chinesische Sternzeichen des Affen entdecken. Wie auch immer...die Japaner sind verrückt.
Nicht viel Zeit verging und Roland kam mit einem weiteren Cut aus dem Wasser. Genau unter der alten Verletzung. Hätte ihn das Riff einige Millimeter weiter oben erwischt, wäre die Blase endlich vernichtet worden, die sich am Fuß gebildet hat. Leider aber knapp verfehlt. Also wieder Limetten beorgen, nach Hause, Betaisodona rauf und pflastern. Glücklicherweise ist es nur ein kleiner Schnitt, der schnell verheilen wird. Hoffentlich entzündet es sich nicht, aber das Wasser hier im Süden ist einigermaßen sauber, und nicht so wie Kuta, völlig durch die in Meer fließenden vermüllten Flüsse verseucht.
Der Müll scheint ein wirklich großes Problem auf Bali darzustellen. Die Einwohnerzahl, und somit die Müllproduktion überschreitet definitiv die Möglichkeiten der Müllentsorgung. Entweder wird der Abfall verbrannt, oder einfach in die Büsche, Wälder und Flüsse geworfen. Die einzige Mülldeponie liegt auf Serangan Island, das dadurch seinen ehemaligen Charme und das paradiesische Flair eingebusst hat. Recycling und Mülltrennung ist für die meisten Balinesen ein Fremdwort und wird bestimmt in den kommenden Jahren zu einem kaum zu bewältigendem Problem anwachsen.
Gestern Abend waren wir typische Touristen auf Sensationskurs. In Uluwatu steht einer der größten Tempel Balis und ist eine, für den Tourismus, bedeutsame Attraktion dar. Ich ging von einer entspannten und in der untergehenden Sonne wunderschön angeleuchteten Gebetsstätte für Einheimische aus. Falsch gedacht. Vor der Einfahrt gab es Parkwächter, die Parkgebühren kassierten (schließlich gibt es kaum einen öffentlichen ohne Parkgebühren) und es gab Stau. Wir kamen aus einer Seitenstraße, aber der Blick nach links bot uns den Anblick einer nicht endenden Autoschlange. Alles Transport Service Fahrzeuge mit einheimischem Fahrer. Immer wieder fällt uns hier auf, dass kaum Ausländer seinen eigenen Wagen steuert. Immer sitzen Balinesen am Steuer und wühlen sich mit aggressivem Fahrverhalten durch den mörderischen Verkehr. Nur wir und ein paar andere Verrückte versuchen jede Lücke zu nutzen und den Leihwagen ohne große Kratzer und Beulen durch die Straßen zu navigieren. Nicht unmöglich, aber das Nervenkostüm leidet doch sehr unter der permanenten Anspannung.
Endlich angekommen auf dem überfüllten Parkplatz bezahlten wir den Eintritt zum Affentempel. Ausgestattet mit den uns umgebundenen Tüchern spazierten wir mit den Millionen von Japanern in die Tempelanlage. Auf dem Weg dorthin kreuzten die ersten possierlichen Äffchen unseren Weg und setzten sich brav, an Bananen kauend vor unsere Fotolinsen. Besonders die Babyaffen sprangen sofort in die Herzen aller Besucher. Glücklicherweise warnte Roland mich vor den diebischen kleinen Biestern, die keine Gelegenheit ausließen Kameras, Brillen und sonstige lose am Mann hängende Souvenirs zu stehlen. Also schnell alles verstaut und die Kamera sicher ans Handgelenk gebunden. Keine Minute zu früh, denn schon hatte der Japaner neben uns seine Brille eingebüßt. Mit stoischer Ruhe begutachtete der Affenopa seine Beute und testete, ob ihm die Brille passte. Passte nicht so ganz, also wurde sich durchgebrochen. Der Japaner tänzelte von einem Bein auf das andere und von den Tränen nahe. Jeder Versuch dem Affen die erstandene Trophäe zu entreißen schlug fehl und wurde von Affengeschrei nebst entblößtem und rasiermesserscharfem Gebiss begleitet. Man bekam richtig Angst und versuchte den Sicherheitsabstand möglichst zu wahren. Irgendwann war das Interesse an einem rosa Badelatschen jedoch größer und der diebische Affe ließ die kaputte Brille links liegen.
Trotz der vielen anderen Touristen war es ein schönes Erlebnis im Uluwatu Tempel und ist auf jeden Fall für jeden zu empfehlen, der ein wenig Spaß haben möchte. Den original Balinesischen Tempeltanz, den als zusätzliche Attraktion angeboten wird, haben wir uns allerdings gespart, da man außer japanischem Gebrabbel und Sonnenhüten wahrscheinlich eh nichts gesehen oder gehört hätte. Statt dessen haben wir lieber in dem tollen Restaurant Yeye´s in Padang Padang gegessen und den Tag bei einem großen Bintang Beer ausklingen lassen.
Mittlerweile bin ich eine der Frauen hier, die langsam anfangen auf die Uhr zu schauen. Wann kommt er denn endlich aus dem Wasser? Sind nun über zwei Stunden. Die Gesäßknochen beginnen auf den Holzstühlen zu schmerzen und die Sonne kommt meinen Füßen immer näher. Platz wechseln ist nicht drin, weil alle Schattenplätze gerade um die Mittagszeit wahnsinnig begehrt sind. Mist! Weggehen geht auch nicht, weil Meister dann nicht weiß, wo ich stecke. Also....ausharren und vielleicht was essen, damit sich mehr Fett am Hintern bildet und das Sitzen nicht mehr ganz so schmerzhaft anmutet.
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