Darwin, 04. Juni 2011
Ein neues Land, ein neues Kapitel beginnt. Am 2. Juni sind wir endlich los geflogen. Um halb zwölf ging der Flieger und wir waren vorschriftsmäßig zwei Stunden vor Abflug am Flughafen. Beim Check-In bestätigte sich unser Verdacht, dass wir plötzlich schwerer zu tragen zu hatten als auf dem Hinflug. Seltsam. Hatten wir doch einen Tag vorher gerade 15 kg nach Hause geschickt. Leider müssen wir von nun an unsere Neoprenanzüge statt in der Surfboardtasche mit im Rucksack transportieren, da Roland sein Brett auf Bali verkauft hat. Die wiegen eine Menge und sind auch recht platzfressend. Aber wichtig, denn Neuseeland und Australien könnten durchaus kälteres Wasser haben als Bali. Die Prozedur am Flughafen lief sehr angenehm und zivilisiert ab. Einchecken, Gürtel raus und raus. Nächste Kontrolle. Gürtel abschnallen und wieder ran. Dann die Passkontrolle. Ich als erste durch. Die Departurekarte, die jeder Baligast bei der Einreise erhält, hatte ich noch in meinem Pass und konnte sie kurz vor der Kontrolle ausfüllen. Die Karte von Roland war nicht mehr da. „Karte? Welche Karte? So was habe ich nicht. Hole ich mir eben ne Neue.“ Gesagt, getan. Ausgefüllt und zum nächsten Schalter damit. Der nette Herr, in dessen Schlange wir standen, machte wirklich einen, für Balinesische Uniformierte sehr ungewöhnlich, freundlichen Eindruck. Darum habe ich mich auch für diese Schlange entschieden. Man weiß ja nie, was die einem so anhängen wollen. Und schon hatten wir den Salat. Ich flutschte einfach durch. Begleitet von einem lustigen Liedchen, das der Zollbeamte während meiner Kontrolle auf den Lippen hatte. Roland, der hinter mir in der Reihe stand, hatte nicht so leichtes Spiel. Ein prüfender Blick des Beamten auf die kurz vorher ausgefüllte Karte verriet ihm, dass Roland geschummelt hatte. Die Nummer, die auf der Karte stand, stimmte nicht mit der gespeicherten Nummer überein, die bei der Einreise im Zusammenhang mit seinem Pass in das System eingegeben wurde.
Nach langer Diskussion und ständigen flötenden Worten von mir in Richtung des männlichen Sicherheitspersonals, gelang es Roland den Polizisten zu schmieren. TOTAL unauffällig wurde unser letztes Geld, das wir eigentlich für eine Flasche Wasser brauchten, über den Tresen geschoben, und die Sache war erledigt. Auf Bali bekommt man wirklich alles, wenn man nur dafür bezahlen kann. Glücklicherweise hatten wir einen netten Beamten erwischt. Nicht gerade selbstverständlich so günstig davon zu kommen. Also im strammen Schritt zum Gate, Gürtel raus, Gürtel rein, Shuttlebus zum Flieger nehmen und rein ins Vergnügen. Wir hatten jeder eine Sitzreihe für uns allein, weil der Flug nicht ausgebucht war. Herrlich. Leider waren wir schon nach ein paar Stunden am Ziel und konnten nicht wirklich lange schlafen. Das einzig Gute daran war, dass wir dadurch eher an ein Getränk kamen. Das Geld für Wasser wurde uns ja am Zoll abgenommen. Bei Air Asia gibt es nämlich während des ganzen Fluges kein einziges Getränk. Skandal, wie ich finde. Andere Billigflieger bekommen das doch auch hin. Nicht mal ein klitzekleiner Tomatensaft war drin. Die Fluglinie wird immer unsympathischer. Aber für den Preis darf man nicht meckern. Blöd ist nur, dass ich gestern in meinem Führerschein noch unser Bestechungsgeld für die Polizei auf Bali gefunden habe. Das hätte genau für zwei Wasser und Schokolade gereicht.
Australien. Plötzlich setzten wir unsere Füße auf den Boden des 5. Kontinents. Ich hatte schon fast nicht mehr daran geglaubt einmal sagen zu können, gerade in Australien zu sein. Ein wahnsinnig tolles Gefühl. Auch wenn das, was wir zu sehen bekamen, nicht besonders besonders wirkte. Aber der erste Eindruck stimmt selten. Unsere warmen Klamotten sind fast alle auf dem Weg nach Deutschland, damit wir Platz für das Sportequipment haben. Das hat sich bei unserer Ankunft leider als nicht ganz so schlaues Unternehmen herausgestellt. Statt der erwarteten 40 Grad, wurden wir nämlich um fünf Uhr morgens mit einer erfrischenden Kühle begrüßt. Mit einem dicken Pulli wäre es ein himmlisches Unterfangen gewesen, aber nicht, nachdem wir völlig übermüdet, durstig und bärenhungrig in einem fremden Land angekommen waren. Und als wir dann noch eine Stunde auf die Rezeptionistin unseres für die erste Nacht auserkorenen Hostels warten mussten, war uns das erste Mal seit zwei Monaten richtig kalt. Die Warterei stellte sich nach einer vollen Stunde als überflüssig heraus, weil das Hostel nämlich ausgebucht war. Unser Fehler. Wir hätte auf jeden Fall vorher ein Zimmer reservieren sollen. Also wieder die Rucksäcke schultern und durch die wie ausgestorben wirkende Stadt ächzen. Kein Wunder, denn es war ja erst sechs Uhr morgens. Die nächsten Hostels, die immer noch viel zu weit weg waren, konnten uns nicht weiterhelfen, weil so gut wie alles ausgebucht war. Es gab noch die Möglichkeit im 8er-Zimmer zu schlafen, aber nach so einer Nacht wollten wir uns mal was gönnen. Schließlich haben wir nach einem Marathon ein Hostel gefunden, das noch ein Doppelzimmer frei hatte. Leider erst ab 12 Uhr Mittags (!!!!) Egal, haben wir trotzdem genommen. Kostete auch nur schlappe 80 $. Fast geschenkt.
Nun hatten wir erst mal eine Menge Zeit. Inzwischen war es sieben Uhr und langsam langsam öffneten die Cafés. Wir entschieden uns für ein Frühstück (sehr klein aber sehr fein für 25 Euro) und nutzen die Zeit für wichtige Erledigungen. Nun sind wir offiziell immigriert (Dauer der Antragsstellung und Ausführung: 5 Minuten) und haben eine Steuernummer (Dauer der Antragsstellung und Ausführung: 15 Minuten). Die sind echt fix die Aussis. Kurz darauf fing der Kaffee an seine Wirkung zu entfalten und wir waren wieder im Stande ohne zu lallen und gleich einzuschlafen miteinander zu reden. Wir entschlossen uns sofort mit der Jobsuche zu beginnen und wurden arg enttäuscht, als sich herausstellte, dass unser Traumjob nicht einfach so zu bekommen. Ist. Mindestarbeitsdauer 6 Monate. Das ist uns zu lange in diesem Kaff.
8. Juni 2011
Weiter geht’s, mein Akku war leer und konnte nicht aufgeladen werden, weil der nette Herr im toom-Baumarkt in Bremen mir einen falschen Adapter verkauft hat. Jetzt haben wir ALLES!!! Und wir können ALLES im Auto aufladen. Jajaja...ein Auto. Wir haben ein neues Auto.
10. Juni 2011
Mal wieder ein Neustart zwei Tage später. Auto...wir haben uns vor drei Tagen ein ganz tolles Auto gekauft. Einen 4WD Nissan Terrano. Vierradantrieb, damit wir durch Geröll, Sand und Flüsse fahren können, ein eingebautes Bett und einer im Campingausrüstung Deluxe inklusive. Die schwere Suche in Darwin hat sich ausgezahlt. Nach langem Überlegen haben wir einem anderen Backpacker den Wagen für 3.500 EUR abgenommen. Zwar mussten wir noch das Bett zusägen und ein bisschen basteln, aber mit Axt und neu erstandener Säge haben wir nun genug Beinfreiheit, dass wir bequem fahren und schlafen können. Der Abstand zur Decke im Liegen ließ sich leider nicht ändern, aber wir werden uns schon noch an die gefühlten 20 cm gewöhnen. Die ersten Nächte waren schon mal sehr angenehm und Dank der gemütlichen Matratze auch sehr komfortabel. Es folgt ein typischer Ablauf einer unserer Abende:
Letzte Tagesstation – ein unwahrscheinlich bezaubernder Wasserfall mit Schwimmmöglichkeit und, wenn überhaupt, ein paar Freshwater Crocodiles. Dann beginnt die Suche nach einem geeigneten Campingplatz (heute zum Beispiel wurden wir schnell in dem Nationalpark fündig, den wir gerade erforschen). Abfahren von der staubigen Straße, dann kurz halten, wenn Kängurus die Straße kreuzen, und nach einer heimeligen Stelle Ausschau halten, die Platz für unser neues zu Hause bietet und an der wir die Sitzecke und die Küche aufbauen können. Kurze Diskussion über die Ausrichtung des Wagens, aussteigen, Stühle und Tisch aufbauen. Nach einem Blick in die Vorratskammer entscheiden wir dann, was es zum Abendessen gibt. Schnell muss es gehen, weil die Sonne spätestens um sieben Uhr in einem sehr malerischen und spektakulären Finale den Tag beendet. So langsam sitzt der Ablauf und wir können die letzten Sonnenstrahlen zum Kochen nutzen. Heute gab es Reste. Da wir vor zwei Tagen frische Lebensmittel gekauft haben und nur eine Kühlbox für schnell verderbliche Nahrung haben, muss gut kalkuliert werden. Eis zum Nachfüllen gibt es im Nationalpark leider nicht an jeder Ecke, deshalb haben wir uns heute im Safaripark einen ganzen Eisblock gekauft, den Roland mit einem Handkantenschlag zerteilt hat. Naja...eigentlich haben wir die Axt benutzt, aber es hätte durchaus geklappt. Neues Eis bedeutet mehr Komfort. Das haben wir gelernt. Butter, Käser, Eier, Wurst, Milch, Marmelade, Erdnussbutter und andere kleine Sauereien waren gerettet.
Also schnell alles schnibbeln, Kocher anschmeißen und ein leckeres Abendmahl zaubern. In der Zwischenzeit muss der Wagen präpariert werden. Die Schlaffläche im Kofferraum sollte frei sein, das heißt dass jeder Millimeter im Rest des Wagens mit unserem Gepäck inklusive der Frischwassertanks, Lebensmittel- und Werkzeugkisten, Zelt, Schnorchelsets, Töpfen, Pfannen, Putzzeug, Axt, Spaten, Tausende von Karten und Camping Guides und ganz ganz viel mehr Kram vollgestopft pst. Es ist einfach unglaublich, was wir alles dabei haben. Als wir das Bett ausgebaut haben um es unserem Standard anzupassen, haben wir eine Inventur all unserer Materialien vorgenommen. Halleluja...das Auto ist ein Stauwunder. Niemals würde man denken, dass alles hineinpasst und wir auch darin fahren, geschweige denn schlafen können.
Also nach dem Essen, zu dem es richtig leckeren Australischen Rotwein gibt (Ein wenig Luxus muss auch im Outback sein) fluchen wir meist ein wenig, weil die Mücken dann anfangen richtig aggressiv zu werden. Ohne Mückenschutz geht hier gar nichts. Meine giftige Creme aus Bali ist einem natürlichen Insektenschutz gewichen, das wir einer sehr netten Frau auf dem Nachtmarkt in Darwin abgekauft haben. Teuer, aber wirksam und NICHT giftig. Zwar ist man trotzdem nicht ganz gefeit, aber wenigsten wird man nicht durchgängig gestochen. Echt der Wahnsinn!! Sogar durch die Klamotten stechen die Biester. Um die sehr unangenehmen Stiche an den Knöcheln zu vermeiden, sind wir seit heute dazu übergegangen vor dem Essen unsere neu erstandenen Dschungelboots anzuziehen. Tolle Dinger. Ohne die wären wir hier verloren. Dazu später mehr. Stichwort: Pythonterrain....
Nach den Essen wird es Zeit die Toiletten (wenn es welche gibt) aufzusuchen und sich bettfertig zu machen. Vor zwei Nächten hatte ich beim Duschen die erste Begegnung mit einer Spinne der besonderen Art. Wie das immer so ist, war ich gerade eingeseift und summte ein munteres Liedchen vor mich hin, als sich etwas sehr Großes und Dunkles von der Decke abseilte und mit einem Affenzahn an der Duschwand herunter raste. Direkt auf mich zu und dann in die Duschecke, die allerdings auch nur wenige Zentimeter von meinen Füßen entfernt war. Ich brachte nur einen stummen Schrei zu Stande und sprang einen Meter weiter zur Tür. Durch mein leises Wimmern wurde Roland alarmiert, der glücklicherweise die Dusche neben mir benutzte. Er rettete mich und versuchte mich, ohne viel Erfolg, zu beruhigen. Das Vieh war immerhin Handgroß (die Größe eines 3-Meter-Mannes) und hat mich, glaube ich angestarrt und Beschwörungsformeln gemurmelt. Aber sie blieb an Ort und Stelle und ich konnte mir in Rolands Dusche den Schaum abwaschen. Leider blieb ein leichtes Panikgefühl zurück und der Rest des Abends wurde mit einem leicht mulmigen Gefühl begleitet. Langsam gewöhnt man sich an die Tiere, die es hier alle andere Dimension haben und traut sich sogar näher an diese eigentlich wunderschönen und sehr eindrucksvollen Geschöpfe heran um sie eingehender zu betrachten. Trotzdem bleibt im Innersten die Angst, dass eines dieser pelzigen Lebewesen im Dunkeln über einen herfällt. Aber gut...damit muss man hier rechnen.
Etwas spektakulärer, war dann gestern, bei einem unsere Ausflüge im Litchfield Nationalpark an den Wangi Falls, dass uns eine Mutter mit ihren zwei Söhnen entgegen kam und erzählte, dass wir aufpassen sollen, weil ein paar Meter weiter einer 3,5 m große Python den Weg gekreuzt hat. Weiter erzählte sie von Spinnen, die zwischen den Bäumen hängen und laut ihrer Beschreibung so groß wie Pfannkuchen seien. Herrlich! Genau das Richtige für mich. Und die Boots waren im Auto. Noch besser. Ich dreht also um, wurde aber nach 3 Metern von Roland aufgehalten und überredet den Pfad durch den Regenwald weiter zu beschreiten. Atmen war die Devise. Ich habe die nächsten Meter ziemlich viel geatmet. Und auch ziemlich schnell. Aber es hat sich gelohnt. Wir haben große goldene Spinnen in Netzen gesehen, die in Deutschland unvorstellbar sind. Die Python hatte sich verkrochen und ihren Weg durch den Urwald fortgesetzt. Roland wollte sie natürliche unbedingt sehen, aber leider leider hat es nicht sollen sein. Sehr schade...! Aber der Tag wird kommen...das habe ich ganz stark im Gefühl.
Nach unsere ersten Nacht auf einem eigentlich kostenpflichtigen Campingplatz im Nationalpark (am Eingang hängt ein Kästchen, in das man Geld einschmeißen soll, aber ich glaube, dass es keiner tut. So wie wir auch) sind wir heute zu Walker Creek gefahren. Ein schmaler Weg entlang eines Baches führte uns querfeldein durch Regenwald, halb verbrannte Steppe und staubiges Buschland. Alle paar hundert Meter zweigte ein Pfad ab, der an einem winzigen Plätzchen Erde direkt am Wasser endete. Gerade genug Platz für ein Zelt, Tisch und Stühle. An jedem Zeltplatz gab die Möglichkeit im Creek zu baden. Wir haben uns für den Platz Nummer sieben entschieden, der uns ein wunderschönes Panorama bot und schon von weit weg nach unseren verschwitzten Körpern gerufen hat. Der Weg war unbeschreiblich heiß und weit. Aber mal wieder hat sich die Anstrengung gelohnt und wir durften einen wunderschönen Nachmittag mit selbst mitgebrachtem Picknick und einem paradiesischen Badeerlebnis genießen.
Fotos
16. Juni 2011
Und immer noch hatte ich keine Gelegenheit den Bericht online zu stellen. Aber was solls, ändern kann man daran nichts. Zwar soll man angeblich mit dem Handy das Internet nutzen können, was ich auch tue, aber immer nur für etwa 20 Sekunden und dann bricht die Bluetooth-Verbindung ab und der Spaß ist vorbei. Internetcafés gibt es auch keine mehr, wo wir uns zur Zeit herumtreiben. Geschweige denn Städte. Das höchste aller Gefühle war die größte Menschenansammlung zwischen Katherine und der Grenze zu Western Australia. Das Fleckchen Erde nennt sich Timber Creek. Die Einwohnerzahl beschränkt sich wohl auf die Mitarbeiter in Supermarkt (gleichzeitig auch die Tankstelle), das Hotel und den angrenzenden Caravan Park. Mehr gibt es dort nämlich nicht. Ach doch, fast hätte ich das wichtigste vergessen. Die Touristenauskunft. Dort arbeiten Neville und Meredith, und wenn man nett ist (so wir wir :))bekommt man den besten und günstigsten Kuchen ganz Australiens dargeboten. Gestern kamen wir ganz ausgehungert von unserer ersten 4WD Strecke (wer es nicht kennt: In Australien gibt es Highways, befestigte/unbefestigte Straßen und 4WD Strecken. Die 4Wd Strecken bieten die mit Abstand schönsten und unberührtesten Naturschauspiele. Also unumgänglich, wenn man ein wenig mehr erleben möchte als der normale Camper an sich. Zwar ist es nicht immer einfach sich durch die reißenden Flüsse, die tiefen Sandbetten oder steile Kieshügel zu fräsen, aber es lohnt sich).
Diesen Spaß haben wir uns vor 3 Tagen auch gegönnt und sind mit unserem kleinen Nissan Terrano die einzig offene Offroadstrecke im Gregory National Park bei Timber Creek gefahren.
Was für ein Spaß...!!!
18. Juni 2011
Es muss sehr verwirrend sein diese Berichte zu lesen. Schreiben ist ja schon Verwirrung genug. Ständig, wenn man anfängt zu schreiben gibt es wieder eine Unterbrechung und beim nächsten Mal weiß ich gar nicht mehr, was ich nun schon erzählt habe und was nicht. Einiges vielleicht doppelt, einige tolle Erlebnisse und auch wundersame Begebenheiten werden wahrscheinlich unterschlagen. Sorry dafür.
Weiter im Text. Die Offroad Strecke im Gregory National Park. Zwei unerfahrene Naivchen, wie Roland und ich, werden einfach so auf eine mittelmäßig schwere Strecke gelassen. Also ging unser erstes Outbackabenteuer endlich los. Wir sind Nachmittags gestartet und standen am frühen Abend plötzlich vor einem reißenden Fluss, der ganz ganz stark nach Krokodilen roch. Wir fragten uns, ob man da wirklich durch fahren sollte, oder ob die Strecke doch noch nicht geöffnet war und wir falsche Informationen von der Tourismuszentrale bekommen hatten. Es sah wirklich nicht besonders einladend aus für uns und unseren treuen Begleiter auf vier Rädern. Wir entschieden uns dazu auf einem Campingplatz kurz vor dieser Schikane zu nächtigen und am nächsten Morgen ein ernstes Gespräch dem Ranger zu führen, der nebenan seine Station hatte. Das war eine sehr gute Entscheidung. Wir haben köstliches Fleisch über dem Feuer gegrillt und es uns mit einer Flasche Wein richtig gut gehen lassen.
Neben uns campte eine Familie aus Katherine (die Stadt mit Musik aus den Lautsprechern überall in der Stadt), die die Pfingstferien dazu nutzte wieder einmal unter freiem Himmel zu schlafen. Der Mann schlachtete direkt neben unserem Auto seinen Fisch und warf die Innereien einfach in den Busch. Zur Erinnerung: Wir befinden uns im Krokodilland. Okayyyy....die Australier sind da wohl etwas anders drauf. Der Typ hat auch in dem Fluss gebadet und geangelt. Überall Schilder und die Einheimischen schert es nicht. Die Mutter hat mir auch lachend erzählt, dass sie ihren kleinsten Sohn immer direkt an den Buschrand schlafen lassen, damit der zuerst von Krokodilen gefressen wird. Hahaha...der Humor der Engländer hat seine Spuren hinterlassen.
Am nächsten Morgen hat zufällig der Ranger mit seinen freiwilligigen Helferinnen die Toiletten auf dem Platz geputzt und wir konnten ihn fragen, ob wir mit unserem Auto die Strecken fahren dürften, und wie die Streckenführung im Fluss aussieht. Er schenkte uns sein breitestes Grinsen und sagte, dass es „real fun“ sei. Okay...irgendwie blitze da Schalk in seinen Augen auf. Netterweise bot er sich sofort an, uns über den Fluss zu führen. Das Angebot nahmen wir an und fuhren ihm brav hinterher. Er hatte einen Affenzahn drauf, und wir natürlich hinterher. Steil bergab in den Fluss, dann rechts (!!!) an den grünen Pfeilen vorbei, durch das riesige Loch, das wir erst bemerkten, als unsere Achse fast gebrochen und der Reifen um ein Haar geplatzt wäre. Und dann war da noch das Wasser. Ganz schön tief. Aber als das rettende Ufer unter dem Wagen zu spüren war, wussten wir, dass wir mehr wollten.
So kam es auch und wir brauchten fast zwei Tage um die 90 km durch Steinwüste, Flüsse, Steilhänge, Schilf, in dem Krokodile wohnten, und jegliche Art von Vegetation zu durch- und überqueren. Am schlimmsten war die Schieferplattenwüste, in der man jede Kraft des Wagens nutzen musste und Roland sogar einige Male aussteigen musste, um Pfeile zu suchen oder irgendeinen Hinweis zu erhaschen, wo die Strecke weiterführte. Rückwärts ging nämlich nicht, weil zu steil, rutschig und die Steinplatten einfach viel zu groß waren.
Als wir staubig und verdreckt zurück in die Zivilisation kamen, waren wir glücklich wieder frisches Wasser aus der Leitung zu haben, zu duschen, und für kurze Zeit wieder Empfang zu haben.
Ausgeruht, sauber und voller Vorfreude ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Grenze nach Western Australia. Schnell noch den Honig aufessen und rüber. Einige Dinge dürfen dort nicht eingeführt werden. Unter anderem Honig, Gemüse, Ingwer, Knoblauch und Samen jeglicher Art.
Kurz hinter der Grenze wies uns ein Schild auf den Lake Argyle hin. Klar, dass wir den mitnehmen mussten. Der Fluss, den wir auf dem Weg dorthin überquert haben, übertraf alle Vorstellungen. Wahnsinnig schön, irre breit, Bäume mitten im Wasser, springende Fische und Krokodile am Ufer. Vereinzelt sah man Angler, die frischen Fisch für das Abendessen gefangen haben. Das wollten wir natürlich auch. Also wieder den 4WD eingelegt und ab durchs Gestrüpp. Roland hat uns zwei Angeln aus Bambusrohr gebastelt und schon standen wir am steinigen Ufer und hofften auf ein eiweißreiches Abendessen. Leider mussten wir unseren einzigen Fisch wieder zurück ins Wasser werfen, da er laut Gesetz zu klein zum Essen war. Trotzdem war es ein wunderschöner Nachmittag am Victoria River.
Der Campingplatz am Lake Ardyle war nicht weniger spektakulär. Der direkte Blick auf das größte Süßwasserreservoir Australiens raubte uns während des Sonnenunterganges den Atem. Die erste Nacht dort war so entspannend und herrlich, dass wir gleich am nächsten Morgen verlängerten. Den Tag nutzten wir für einen Buschspaziergang und wurden für den langen Marsch in sengender Hitze immer wieder mit Bilderbuchausblicken über den See beschenkt. Nachts wird es hier bitterkalt! Gerade sitze ich mit allen langärmligen Klamotten und in eine Decke eingewickelt am Lagerfeuer und trinke eiskalten Wein. Leider mussten wir den Platz am Tag drauf wieder verlassen, weil unser Budget keine weitere Nacht auf diesem Luxuscampingplatz zuließ. Arbeit gab es dort auch keine für uns. Kununurra war also die einzige Möglichkeit um endlich wieder an etwas Geld für unsere Weiterreise zu kommen.
In Kununurra angekommen, gab es keine Arbeit. Die Regenzeit dauerte hier viel länger als sonst, was bedeutet, dass die Farmen auch keine Arbeitskräfte einstellen können. Allein in Kununurra stehen 160 Backpacker auf der Warteliste und suchen Arbeit. Wir wollten nicht so lange warten und sind gestern zu einem neuen Abenteuer aufgebrochen. Eine Expedition in die Kimberley´s. Dort verbergen sich einige der fantastischsten Naturschauspiele Australiens. Mit unserem Funmobil können wir sogar die Strecke nehmen, die mit normalen Autos nicht befahrbar ist.
Nun ist es schon wieder über eine Woche her, dass wir die Todesstrecke durch die Kimberley´s überlebt haben. Kinder, wie die Zeit vergeht. Und es ist noch so viel zu erzählen. Wir haben gehofft in Broome, wo wir uns jetzt für einige Zeit niedergelassen haben, schnell einen Job zu finden, aber das stellt sich als nicht so einfach heraus. Roland hat dank der Hilfe unserer neuen Freunde, die wir irgendwo im Busch kennengelernt haben, einen Job auf dem Bau bekommen. Zu wenig Geld für viel zu harte Arbeit, aber besser als gar nichts. Ich versuche mein Glück in Restaurants, Bars, Shops und Resorts. Leider ist die Situation hier hier genauso schlecht wie überall anders in Australien. Die Ostküste hat große Schäden durch die Flut davongetragen, die Westküste ist voll mit Backpackern, die Osten nichts gefunden haben. Jetzt bleiben alle Glücklichen, die endlich Arbeit gefunden, in Broome und die Neuankömmlinge müssen sich hinten anstellen. Selbst die Rinderfarmen stellen im Moment keine neuen Leute ein, weil sie selbst kaum über die Runden kommen. Naja, Augen und Ohren offen halten und Daumen drücken.
Im Moment stehe ich zusammen mit Roland auf, mache Frühstück und Sandwiches für meinen Bauarbeiter und widme mich dann der Arbeit als Hausfrau. Abwaschen, Aufräumen, Einkaufen, Jobsuche, kalte Limo auf die Baustelle bringen und Klamotten waschen. Eben musste noch die Autoregistrierung in der Stadt bezahlt werden und neue Stiefelschutzgamaschen für Roland gekauft werden. Nun mache ein wenig Büro im Auto auf dem Strandparkplatz. Vielleicht ist gleich noch ein klitzekleines bisschen Zeit für eine Abkühlung im Meer drin. Echt warm hier tagsüber.
Auch wenn wir hier kaum giftige Tiere sehen, scheinen sie irgendwo zu sein. Seit gestern habe ich einen sehr dicken unbeweglichen Zeigefinger. Keine Ahnung was das war. Es war dunkel und hat plötzlich angefangen zu pieksen. Aber ich denke, wenn es eine giftige Spinne gewesen wäre, dann hätte Roland heute keine Sandwiches bekommen. Es ist seit gestern nicht schlimmer geworden, also wird es bestimmt irgendwann wieder abschwellen.
So, jetzt wird weiter gearbeitet. Bis bald und viele Grüße ins sonnige Deutschland.
Stichwörter für den nächsten Blog damit ich es nicht vergesse:
Florence Falls, Vögel am Morgen, Sonnenuntergänge, Abos, Kängurus, Didgeridoo, Moskitonetz, Bananengeschenk, Handy, 72-jähriger, Port Hedland, öffentliche Toiletten, Kreuz des Südens, HUBBEL, Gibb River Road, alles rot, Staub, giftige Frösche, Diebe im Nationalpark, Reifenwechsel in sengender Hitze, Krokodile eine Armlänge entfernt, Krokodil neben uns im Wasser in einer stockdüsteren Schlucht, Campinghexen...
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