Freitag, 1. Juli 2011

Safe the Crocodiles...!

So...da es schon Ewigkeiten her ist, dass hier Neuigkeiten zu lesen waren, fange ich mit unseren letzten Tagen auf Bali an. Ich habe keine Ahnung, was alles drinsteht, aber werde einfach ignorieren, dass vielleicht Fehler, Dopplungen oder Ähnliches vorhanden sind. 

Australien folgt dann in den nächsten Tagen. Hier ist einfach viel zu viel zu tun....
Liebste Grüße an alle zu Hause!!! Wir vermissen euch und sind pleite, aber sonst geht es uns gut :)))  


Immer noch Kerobukan, 20. Mai 2011

Lang ist es her, aber es ist auch nicht soooo viel passiert. Also für unsere Verhältnisse. Mittlerweile wohnen wir nicht mehr im Surfcamp, sondern sind wieder zu Wiebke in die Villa gezogen, die jetzt auch eine Hängematte beheimatet. Ein triftiger Grund für uns wieder dort einzuziehen. Da ich eine Woche mit Grippe flach lag und irgendwann auch Roland Husten bekam, dachten wir uns, dass es besser wäre, erst mal wieder zu regenerieren und den Flug zu verschieben. Also bleiben wir noch bis Ende Mai hier. Gesund und mit neuer Energie wird jetzt wieder Bali erkundet. Angefangen haben wir vorgestern und waren mit Braima, der Fashiondesigner hier auf Bali ist, einen Laden in Hamburg hat und Prominente mit selbst geschneiderten 50er-Jahre Anzügen und Schuhen versorgt, auf Tour. Er führte uns in die „Ghettos“ von Kuta. Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch enge Gassen, in denen Rollergangs und Hühnchen ihr Zuhause haben, kam unsere kleine Rollergang (Roland, Wiebke, Braima und ich) beim Lederladen an. Ein kleiner Raum, ca. 15 qm groß, in dem fünf Indonesier auf dem Boden saßen und rauchten. Leder in jeglicher Farbe sprang uns förmlich in die Arme und wollte verarbeitet werden. Wiebke und ich waren im Paradies. Roland betrachtete mit nüchterner Begeisterung die Auslage und entschied sich für dunkelbraunes Leguanleder. Für uns Mädels formte sich schnell die Vorstellung von Flip Flops in hellem grau gepaart mit mintgrünem Krokodilleder. Ethisch korrekt? Ach klar, hier ernähren sie sich bestimmt auch von Krokodilen und Leguanen.
Aus dem gleichen Material sollen auch noch knöchelhohe Stiefel gemacht werden. Ob das die richtige Entscheidung war? Abwarten.
Wir verbrachten etwa 1 Stunde damit, unsere Auswahl immer wieder zu ändern, um am Ende doch wieder auf die erste Wahl zurückzugreifen. Am Ende hatten wir jeder ein dickes Grinsen im Gesicht und unter dem Arm eine Plastiktüte mit verschieden farbigen Lederbatzen.
Da der Schuster nur bis 17 Uhr offen hatte, fuhren wir in einem Affenzahn weiter. Diesmal landeten wir in einer dunklen Höhle, in der eine ganze Armee von balinesischen fleißigen Handwerkern saß und munter vor sich hin werkelte und flockig ein Bierchen nach dem anderen Zischte. Anscheinend Männersache, denn Roland bekam kurz nach unserer Ankunft auch gleich eins in die Hand gedrückt. Mit Braimas Hilfe machten wir dem Chef klar, wie unsere Vorstellungen eines perfekten Schuhs aussahen und hoffen nun, dass wir in ein paar Tagen wahnsinnig tolle Schuhe am Fuß tragen werden, die uns passen und auch noch gut aussehen. Man darf gespannt sein.

Wir haben übrigens ganz viele neue Uhren. Markenuhren so günstig in einem noblen Geschäft direkt im Zentrum von Kuta. Offiziell angebotene Fälschungen, die auf Nachfrage natürlich nicht wasserdicht sind, denn es seien ja schließlich keine Originale, so die Argumentation der einheimischen Mitarbeiter. Ein Hoch auf die Ehrlichkeit der Verkäufer hier. Die Uhren funktionieren seit drei Tagen tadellos.


31. Mai, Kerobukan

Uiuiui...ist es wirklich schon so lange her? Ich bitte vielmals um Entschuldigung, dass die Informationskette leicht abgerissen ist. Wir sind seit einiger Zeit im alltäglichen Balitrott angekommen und leben das Leben von Millionären, die es geschafft haben, nicht mehr arbeiten zu müssen und einfach das tun, worauf sie gerade Lust haben. Unsere Hauptbeschäftigungen liegen momentan im Schlafen, früh aufstehen (wirklich früh, so gegen halb sechs), surfen gehen und danach ein enormes Frühstück verdrücken. Man kann eigentlich an einer Hand die Tage abzählen, an denen es hier keine Eier gab. Heute sehr luxuriös mit Bacon. Dazu eine reife Mango und eine großartige fleischige Papaya. Ach ja, zur Feier des Tages haben wir uns noch ein Croissant gegönnt. Jetzt schläft der Großteil der Mannschaft. Nur Wiebke arbeitet brav. Roland und ich haben jetzt die definitive Flugbestätigung für den 2. Juni bekommen. Dann ziehen wir weiter. Wird auch langsam Zeit. Es ist zwar sehr schön hier, aber auf die Dauer entwickelt sich eine Art Hassliebe zu diesem Land. Einerseits ist diese Insel traumhaft und verzückt uns immer wieder mit neuen paradiesischen Augenblicken, aber auf der anderen Seite existiert auch das Bali, das Wiebke und ich vor ein paar Tagen mit der Hölle verglichen haben. Die schlimmste Strafe wäre es, für immer gefangen in den Straßen von Kuta zu sein. Unerträglicher Lärm, viel zu viele Rollerfahrer für diese Infrastruktur, nur Stress und Dreck. Nichts für Menschen, die es gerne etwas entspannter mögen und ihren Urlaub genießen möchten. Langsam wird es auch recht teuer hier ein gutes Leben zu führen. Zwar ist fast alles spottbillig hier, aber wenn man auf gewisse Dinge wie Bier nicht verzichten möchte, dann läppern sich die Ausgaben auf die Dauer doch. Also ist unsere Entscheidung, endlich wieder zu arbeiten wahrscheinlich genau das richtige. Die Entscheidung noch 2 weitere Wochen auf der Insel der Götter zu verweilen bereuen wir aber auch auf gar keinen Fall. Wir hatten noch sehr viele schöne Tage hier. Tolle Surfsessions, Begegnungen, die es nur hier geben kann, neue Schuhe und neue Kleider. Die Kleider haben wir uns von einem Schneider nähen lassen, nachdem wir in einem riesigen Stoffhaus leichte Sommerstoffe erstanden haben. Der Schneider hatte 20 cm lange Fingernägel und sah aus wie der Struwelpeter. Leider wurde aus meinem Kleidchen ein T-Shirt und die beiden anderen langen Oberteile wurden etwas zu lang, aber je länger man hier wohnt, desto leichter fällt es einem flexibel zu sein und Fehler mit einem Schulterzucken abzutun. Passt schon....irgendwie. Der Schneider war trotz Magenverstimmung auch sehr flexibel und änderte „schnippschnapp“ kurzerhand die Teile in seiner Nähstube. Am Ende doch sehr nette luftige Shirts geworden. Drei Teile maßgeschneidert für zusammen 6 Euro. Kann man nicht meckern.

Es sind bestimmt noch hunderte Dinge passiert, die für die Welt dort draußen sehr spannend sind, aber die fallen mir immer beim Rollerfahren ein. Danach sind sie aus dem Gedächtnis verschwunden. Meistens passiert etwas, wenn wir auf dem Weg nach Irgendwo sind. Auf den Straßen und Bumpy Roads ereignen sich wirklich haarsträubende Geschichten. Gestern wurde man wieder ein kleiner Hund angefahren. Ständig laufen Hunde im Verkehr umher und warten eigentlich nur darauf unter die Räder zu kommen. Braima, unser Designer, wurde vor einigen Tagen fast von einer Drachenschnur getötet. Irgendein Depp hat wohl seinen Drachen direkt über einer Straße steigen lassen und dann den abgestürzten Drachen einfach im Busch hängen gelassen. Braima fuhr direkt in diese Schnur. Diese wickelte sich dann blitzschnell um seinen Hals und er konnte nur geistesgegenwärtig vom Roller springen, um der Guillotine zu entkommen. Zum Glück geht’s ihm wieder gut und außer ein Narben am Hals und an den Armen wird alles wieder verheilen. Soll wohl schon sehr häufig hier passiert sein. Tod durch Drachenschnur. Tod durch Schlagloch. Tod durch ungesicherte Baustelle. Tod durch Fahren ohne Helm. Tod durch Überlastung des Fahrzeugs (in den meisten Fällen 3-4 Personen zu viel auf dem Scooter). Wir leisten uns auch zunehmend mehr Verkehrsdelikte. Fahren ohne Helm auf Feldwegen, Fahrerflucht (weil alles besser ist, als sich wegen einer Lapalie mit einem Einheimischen einzulassen), bei Rot über die Ampel fahren (das macht hier sowieso jeder). Am effektivsten war aber wohl unsere Flucht vor der Polizei. Man lernt ja dazu und versucht jeglichen Kontakt mit dem Gesetz zu vermeiden. Da ja bekanntlich die Touristen auf Bali dazu da sind, die Urlaubskasse der Polizisten aufzubessern, haben sie mal wieder versucht uns eine Strafe aufzudrücken. Wir haben die grimmig ausschauenden Männer mit ihren wilden Handzeichen einfach ignoriert und sind geflüchtet. Gerade noch rechtzeitig am ausgestreckten Fangarm des behände durch den Verkehr springenden Polizisten vorbei. Und dann ab durch die Mitte. Hinter uns kamen ja schon die nächsten Ausländer, die weniger Erfahrung mit dem Balinesischen Rechtssystem hatten. Urlaub also gesichert für die korrupten „Gesetzeshüter“. Pah...nicht mit uns...!!!

Heute geht es hoffentlich zum letzten mal zum Schuster. Nach diversen Änderungen, Zeitverzögerungen und Extras, werden wir endlich die neuen Besitzer unserer selbst kreierten Schuhe aus Krokodil- und Leguanleder. Luxusartikel, die in Deutschland ein Vermögen kosten würden. Wir hoffen nur, diese Schmuckstücke irgendwie außer Landes zu bekommen. Per Indopost wohl ein unmögliches Unterfangen. Also werden wir die teure Variante nehmen und DHL nutzen. Hoffentlich kommt alles heil an und kann daheim bewundert werden.

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